DIE WEIMARER REPUBLIK
Die Weimarer Republik war gezeichnet durch die Folgen des Ersten Weltkriegs. Die Inflation der frühen 1920er Jahre brachte weite Teile der Bevölkerung in existentielle Nöte. Die Währungsreform im November 1923 beendete die Hyperinflation und ebnete den Weg für ein beispielloses wirtschaftliches Wachstum und die ‚Goldenen Zwanziger Jahre‘.
Dennoch bestimmten politische Unruhen fast pausenlos das politische und gesellschaftliche Geschehen in Deutschland. Während immer noch viele der Monarchie nachtrauerten, bekämpften sich radikale Strömungen gegenseitig und gewannen immer mehr an Einfluss. Diese fatale Dynamik ermöglichte letztendlich die ‚Machtübernahme‘ durch die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933.
Die politischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklungen dieser Zeit lassen sich in Bad Pyrmont wie unter einem Brennglas nachvollziehen, denn durch den Badebetrieb stießen hier unterschiedliche soziale und gesellschaftliche Schichten aufeinander. Diese Ambivalenz großstädtischer Ansprüche und ländlicher Strukturen prägt den Kurort bis heute.
Bad Pyrmont in den 1920ern: Großstädtische Ansprüche treffen auf ländliche Strukturen.
Der Anschluss Pyrmonts an Preußen
Fürst Friedrich Adolf Hermann von Waldeck Pyrmont (1865 – 1946) war der letzte regierende Fürst des Fürstentums Waldeck-Pyrmont. Am 13. November 1918 wurde er infolge der Novemberrevolution durch Vertreter der Kasseler Arbeiter- und Soldatenräte abgesetzt. Aus dem Fürstentum wurde ein Freistaat innerhalb der Weimarer Republik. 1919 wurde eine ‚Verfassungsgebende Waldeck-Pyrmonter Landesvertretung‘ gewählt, die den Anschluss an Preußen anstrebte. Im August 1920 kam es in Bad Pyrmont zum ersten Mal zur Wahl eines Gemeinderats nach allgemeinem, gleichem und geheimem Wahlrecht. Nach einer Volksabstimmung wurde am 29. November 1921 der Staatsvertrag zwischen Preußen und Waldeck-Pyrmont geschlossen, der die Angliederung Bad Pyrmonts an die preußische Provinz Hannover festlegte. In diesem Zusammenhang erfolgte ein Jahr später auch die Eingemeindung Oesdorfs nach Bad Pyrmont.
Die Gründung der Bad Pyrmont AG
Die meisten Bad Pyrmonter lebten direkt oder indirekt vom Kurbetrieb. Deswegen lag in der Badverwaltung für viele Bad Pyrmonter Bürger die Existenzgrundlage und auch der größte Vermögenswert für die Stadt. Die Angliederung Bad Pyrmonts an Preußen warf insofern die zentrale Frage auf, wie von nun an mit der Verwaltung des Bades umgegangen werden sollte. Da die finanzielle Lage des Staates und der Kommunen angespannt war, ging man ungewöhnliche Wege und gründete eine Aktiengesellschaft. An der Bad Pyrmont AG waren der Staat Preußen, die Gemeinden Bad Pyrmont, Oesdorf und Holzhausen sowie der Landkreis beteiligt. 1/6 der Aktien konnten privat gezeichnet werden. Dies ermöglichte die schon lange geplante Modernisierung und Erweiterung des Bades.
Der Neubau zentraler Kureinrichtungen
1922 beschloss der Aufsichtsrat der Bad Pyrmont AG einstimmig den Bau der Wandelhalle und des Konzerthauses vorzubereiten. Das preußische Finanzministerium sagte zu, die Zuschüsse entsprechend der Geldentwertung anzupassen. So wurde – trotz zahlreicher Zweifel auf dem Höhepunkt der Inflation – am 29. November 1923 der Grundstein für den Bau der Wandelhalle und des Brunnentempels gelegt. Nach Verzögerungen durch schlechtes Wetter und Streiks übergab Planer und Architekt Alfred Sasse das Bauwerk bereits am 20. Juli 1924 an den Vorsitzenden der Bad Pyrmont AG, Kurdirektor Prestien. Die neue Wandelhalle schützte vor Wind und Wetter und ermöglichte es, die Kur von Anfang April bis Ende September zu verlängern, da man nun wetterunabhängiger war. Ab 1926 ließ die Bad Pyrmont AG das Konzerthaus und die neue Kurverwaltung mit dem 200m langen Arkadenbau unter dem Architekten Carl Theodor Brodführer errichten.
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