Mary und Leonhard Friedrich
Die wohl prägendsten Personen der Bad Pyrmonter Quäkergemeinde waren das Ehepaar Mary (1882-1970) und Leonhard Friedrich (1889-1975). Die Friedrichs zogen 1933 nach Bad Pyrmont, um dort als sogenannte ‚Wardens‘ (Wächter), die Leitung des Quäkerhauses zu übernehmen. Sie behielten diese Position bis zur Beschlagnahmung des Hauses durch die Nationalsozialisten im Jahr 1943. Ihre Aufgaben umfassten die Organisation von Andachten für die Bad Pyrmonter Quäkergemeinde und der in Bad Pyrmont stattfindenden Deutschen Jahresversammlung. Darüber hinaus kümmerten sie sich um die Pflege von Grundstück und Haus und halfen vom NS-Regime Verfolgten bei der Ausreise.
Mary Tupholne wurde am 6. August 1882 in Sheffield (England) geboren. Die gelernte Sekretärin arbeitete seit ihrem 21. Lebensjahr in einem Kinderheim in Liverpool, das unter anderem Waisen nach Kanada vermittelte. Über zehn Jahre lang reiste sie mit Gruppen von bis zu 40 Kindern nach Kanada und brachte sie dort landesweit in Familien unter. Mit Kriegseinbruch 1914 wechselte sie ihre Tätigkeit. Fortan betrieb sie Wohlfahrtsarbeit in einer Stahlfabrik in ihrer Heimatstadt. Dort setzte sie sich für mehr Arbeitssicherheit ein. Bereits zwei Jahre früher, 1912, lernte sie Leonard Friedrich kennen, der als Vertreter einer Nürnberger Porzellanfabrik in London arbeitete.
Leonard Friedrich wurde am 22. November 1889 geboren und wuchs in Nürnberg auf. Er verließ mit 14 Jahren die Schule und begann eine Lehre im Lebensmittelhandel. Indem er sich in eine Abendschule einschrieb, schob er seine Einberufung ins Militär hinaus. Dort studierte er Buchhaltung und Englisch. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges entschied er sich gegen eine Heimkehr und den dort auf ihn wartenden Kriegseinsatz. Unter der britischen Bevölkerung herrschte zu diesem Zeitpunkt allerdings eine starke deutschlandfeindliche Gesinnung. Als männlicher deutscher Staatsbürger wurde Leonard Friedrich zum ‚feindlichen Fremden‘ erklärt. Mit tausenden anderen Deutschen im kampffähigen Alter wurde er vier Jahre in einem britischen Kriegsgefangenenlager auf der Isle of Man interniert. Dort kam er erstmals in Berührung mit den Quäkern, die im Lager Fürsorgearbeit leisteten.
1919 kehrte Leonhard nach Nürnberg zurück und Mary besuchte ihn. Beide traten den Quäkern bei und leisteten Hilfsarbeit für das Friends War Victims Relief Committee, eine Quäkerorganisation die Essens- und Kleiderausgaben organisierte. 1921 kehrte Mary allerdings nach England zurück, um Wohlfahrtsarbeit in einer britischen Firma zu leisten. Nach sechs Monaten besuchte Leonhard sie in England und sie heirateten. Anschließend ließen sie sich in Nürnberg nieder. 1933 zogen sie als sogenannte „Wardens“ (Wächter) des dort entstehenden Quäkerhauses nach Bad Pyrmont.
In Anbetracht des Krieges schickte Mary ihre gemeinsame Tochter Brenda 1939 nach England. Nach der Befreiung der Kurstadt 1945 nahm das Ehepaar ihre alten Aufgaben wieder auf, gaben die Verantwortung für das Quäkerhaus 1947 jedoch ab. Sie blieben vorerst noch in Bad Pyrmont bis sie später in ein Quäker-Altersheim in England zogen. Dort verstarb Mary 1970 und Leonard 1975. Beide wurden aber auf dem Pyrmonter Quäkerfriedhof beigesetzt.

