Dr. Ernst Stutzmann (1887-1972)
Ernst Stutzmann kommt 1887 in Ludwigshafen als Sohn eines Kaufmanns zur Welt. Nach dem Besuch des dortigen Gymnasiums macht er 1906 sein Abitur und studiert anschließend Medizin in Würzburg, Berlin, München, Heidelberg und Freiburg. 1912 beginnt er nach bestandenem Staatsexamen seine Laufbahn als Medizinalpraktikant am Vereinshospital in Hamburg.
In diesem Jahr reist er nach Russland und wird nach seiner Rückkehr deshalb vom deutschen Innenministerium von einer weiteren Ableistung des praktischen Jahres als Mediziner freigestellt. Von September 1913 bis April 1914 erscheint Stutzmanns Name dann plötzlich als Schauspieler am Theater im lettischen Libau.
Nachdem er nach Hamburg zurückgekehrt ist, erlangt er dort im Frühjahr seine Approbation und nimmt als Arzt ab Dezember 1914 am Ersten Weltkrieg teil. 1915 ist er in Litauen stationiert, wird Unterarzt und erhält das Eiserne Kreuz. Nach einer Ruhrerkrankung 1917 erhält er Urlaub und spielt in Königsberg wieder Theater. 1918 wird Dr. Stutzmann schließlich als Assistenzarzt der Reserve aus dem Heeresdienst entlassen. Er arbeitet jetzt wieder in Hamburg, diesmal am Krankenhaus in Wandsbeck und veröffentlicht 1919 seine Doktorarbeit.
Von 1920 bis 24 ist er dann wieder Schauspieler: unter der Intendanz von Dr. Franz Ulbrich, der das Theater Meiningen wie auch das Schauspielhaus in Bad Pyrmont leitet, gehört er zum dortigen Ensemble. Seinen ersten Auftritt in Bad Pyrmont hat er als ‚Fernando’ in Goethes ‚Stella’. Von 1924 bis 1926 übernimmt er von Dr. Ulbrich, der nach Weimar wechselt, die Intendanz der Bad Pyrmonter Bühne und reüssiert hier 1925 mit Kleists ‚Prinzen von Homburg’, bei dem er nicht nur die Titelrolle spielt, sondern auch Regie führt. 1927 bis 1928 ist Dr. Stutzmann in Berlin stellvertretender Direktor am ‚Wallner -Theater’. Er wechselt dann wieder in seinen Beruf als Arzt zurück und eröffnet 1928 eine Praxis am Hylligen Born 4 in Bad Pyrmont.
Im April 1932 zeigt er wieder eine andere Seite von sich: Dr. Stutzmann tritt in die NSDAP und später auch in die ‚Allgemeine SS’ ein. Er ist zu diesem Zeitpunkt vielleicht auch schon Mitglied im antisemitischen, NSDAP-nahen ‚Kampfbund für deutsche Kultur’, den der NS-Chefideologe Alfred Rosenberg in den 1920er Jahren in München gegründet hatte. Nach 1933 hat Dr. Stutzmann jedenfalls als ‚Obmann’ der Ortsgruppe Bad Pyrmont darin für kurze Zeit eine leitende Funktion und ist für Theater und Film zuständig. 1934, als der ‚Kampfbund’ dann als ‚Reichsverband Deutsche Bühne’ firmiert, hält er im ‚Quellenhof’, dem von den Nazis bevorzugten Versammlungsort in Bad Pyrmont u.a. einen Vortrag zu „Rasse und Volksgesundheit“. In den folgenden Jahren tritt er allerdings bei dieser Organisation nicht mehr in Erscheinung.
Mit Beginn des Krieges arbeitet er als Arzt, später im Rang eines Oberstabsarztes im Lazarett in Bad Pyrmont und wird 1942 ins Rathaus geholt, als der NS- Bürgermeister Zuchhold dort seinen Nervenzusammenbruch hat. Dr. Stutzmann ist seit seiner Zeit als Intendant mit dem Dirigenten Walter Stöver gut bekannt und rettet diesen Anfang 1945 mit einem ärztlichen Attest, das Stövers Herzkrankheit bestätigt vor dem Einsatz beim Volkssturm. Umgekehrt kann Stöver nach 1945 dann Dr. Stutzmann wegen dieser Tat bei dessen Entnazifizierungsverfahren entlasten. Die folgenden Jahre ist er als Badearzt weiter in Bad Pyrmont tätig, wo er 1972 stirbt.

