Familie Salomon
Die Geschichte der Familie Salomon zeigt die Rücksichtslosigkeit das NS-Regime gegenüber jüdischen Menschen und die damit einhergehenden persönlichen Herausforderungen, denen die Betroffenen ausgesetzt waren. 1934 zog Anna Salomon nach Bad Pyrmont und eröffnete in der Straße des 30. Januar (heute Kirchstraße) eine Pension. Ihre Tochter Dr. Ellen Salomon folgte ihr ein Jahr später. Sie hatte ihre Zulassung als Zahnärztin im Zuge der 1933 verhängten Boykotte von jüdischen Ärzten verloren. In Bad Pyrmont half sie ihrer Mutter in der Kurpension, während sie ihre Ausreise nach Paraguay vorbereitete. Sie verließ das ‚Deutsche Reich‘ nach der Reichspogromnacht 1938. Ihre Mutter konnte sie nicht mitnehmen. Sie gab an, dass sie selber in eine ungewisse Zukunft gehe und nicht für ihre Mutter sorgen könne. Daher ging sie allein und ließ ihre Mutter widerwillig zurück. Auch Anna Salomon begann Anfang 1938 ihre Ausreise nach Palästina vorzubereiten. Dazu beantragte sie 1939 7.500 RM bei der Oberfinanzdirektion Münster, um mit diesem Geld eine Diätpension für ältere Menschen zu eröffnen. Während ihr das Geld genehmigt wurde, wurde ihr das Visum verwehrt –eine Ausreise erfolgte daher lange Zeit nicht.
1941 wurde sie in das sogenannte ‚Judenhaus‘ in der Viktor-Lutze-Straße 51 (heute Bahnhofstraße) eingewiesen. Am 27. Oktober 1942 erreichte sie der Brief ihres Devisenhelfers, der ihr mitteilte, dass sie jetzt ihren Ausreisantrag stellen konnte. Dieser Ausreiseantrag wurde jedoch abgelehnt. Sie hatte ihn drei Tage nach Verhängung des Ausreiseverbots für Juden in Deutschland gestellt. Ihre Ausreise war damit gescheitert. Sie wurde gemeinsam mit anderen jüdischen Menschen aus dem ‚Judenhaus‘ am 31. März 1942 nach Warschau deportiert. Sie gilt als verschollen.
