
Karl Uhde (*1873)
Bürgermeister der Stadt Bad Pyrmont (1924-1933)
Der 1873 geborene promovierte Jurist Karl Uhde war Bürgermeister in Braubach am Rhein, Norderney und Traben-Trabach bevor er im Dezember 1924 dieses Amt in Bad Pyrmont übernahm. Uhde gehörte der nationalkonservativen Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) an und war Mitglied der Bad Pyrmonter Freimaurerloge, aus der er 1933 austrat. Nach seiner Versetzung in den Ruhestand zog er nach Königslutter.
Ein neuer „tatkräftiger, energischer, verantwortungsfreudiger und im Geiste der Zeit gehender“ Bürgermeister für Bad Pyrmont?
NSDAP-Fraktion in einem Schreiben an den Bad Pyrmonter Magistrat

Uhdes Absetzung als Bürgermeister
Aus der Personalakte Karl Uhdes geht hervor, dass er in den 1920er und frühen 1930er Jahren wiederholt länger krank war. Seine Verdrängung aus dem Amt hatte indessen klar politische Gründe und ging im Sommer 1933 von der nationalsozialistischen Fraktion der Stadtverordneten und dem Magistrat aus. Die Begründung des Fraktionsvorsitzenden Schürmann lautete, „dass die Stadt Bad Pyrmont ausserordentlich schweren Zeiten entgegengeht“ und daher „einen tatkräftigen, energischen, verantwortungsfreudigen und im Geiste der Zeit gehenden Mann als Führer“ benötige. Am 20. Juni 1933 hat Bürgermeister Uhde nach eigener Aussage während einer Magistratssitzung von den drei Senatoren eine Entschließung der NSDAP erhalten, die seine sofortige Beurlaubung gefordert habe. Dies findet allerdings im Protokoll vom 20. Juni keine Erwähnung. Aufgrund der – für ihn – plötzlichen Entschließung habe Uhde eine „heftige Herzattacke“ erlitten, woraufhin jener von einem Kreisarzt beurlaubt, im August 1933 von einem Amtsarzt für dienstuntauglich erklärt und im September in den Ruhestand versetzt worden ist. Seine letzte Sitzung leitete Uhde am 28. Juni 1933. In der folgenden Sitzung wurde er vom kommissarischen Bürgermeister Luttmann vertreten. Ab dem 18. Juli führte Bürgermeister Hans Zuchhold – erst kommissarisch, später hauptamtlich – die Sitzungen. Die NSDAP ging nach der Reichstags- und Landtagswahl in Preußen am 05. März 1933 zwar als Sieger hervor, brachte aber keine absolute Mehrheit zustande. Daher war es gängige Praxis, dass örtliche Parteifunktionäre oder Aufsichtsbehörden Bürgermeister kleinerer Städte unter Druck setzten: Sie sollten ihre Ämter aufgeben oder gefügig gemacht werden, um die Macht der Partei zu etablieren.

Einfluss des Magistrats auf die Bad Pyrmont AG
Bis 1933 hatte Karl Uhde einen Platz im Vorstand der Bad Pyrmont AG, die für die Verwaltung des Bades zuständig war. Nachdem Uhde sein Bürgermeisteramt aufgeben musste, bemühte sich der neue Magistrat darum, auch den neuen Bürgermeister auf den Posten zu bringen und so den Einfluss der Partei zu sichern. Dieser Prozess geht aus einem Briefwechsel zwischen der Bad Pyrmont AG und dem Magistrat hervor. Die Bad Pyrmont AG bestätigt darin, dass Uhde zwar als Vertretung der Stadt in den Vorstand gewählt wurde, jedoch nicht in seiner Funktion als Bürgermeister. Der Posten sei folglich nicht mit dem Amt verbunden. Der Magistrat forderte daraufhin Uhde auf, sein Amt abzulegen, da der Magistrat Wert darauf lege, dass der jeweilige Bürgermeister das Amt bekleide. Kurze Zeit später ließ Zuchhold verlautbaren, dass Uhde sein Amt abgelegt habe und nun der Posten automatisch mit dem Bürgermeisteramt verbunden sei.
