Heinrich Mogk (1878-1956)
Allein schon durch zahlreiche von ihm entworfenen Gebäude ist er in Bad Pyrmont noch heute präsent: der Architekt Heinrich Mogk. Dabei ist von dieser stadtbekannten Persönlichkeit, die auch eine wichtige Rolle im politischen und gesellschaftlichen Leben Bad Pyrmonts bis in die Nachkriegszeit hinein gespielt hat, wenig bekannt.
Geboren 1878 im hessischen Echzell bei Nidda besucht der Sohn eines Baumeisters die Schule in Darmstadt und studiert dann dort und in Hannover Architektur. Ein besonderes Interessensgebiet von ihm ist der Bau von Badehäusern:
So ist er an der Errichtung des Badehauses in Bad Nauheim und in Kassel beteiligt und gewinnt einen vom Fürsten Friedrich von Waldeck und Pyrmont ausgeschriebenen Wettbewerb für ein neues Badehaus in Bad Pyrmont. Dieses Gebäude wird 1908 zusammen mit dem Kurhotel fertiggestellt. 1910/11 entsteht nach seinen Plänen auch der ‚Kaiserhof’. Nach dem Brand im Kurhotel und der Zerstörung des berühmten ‚Weissen Saals’ 1911 erhält Mogk vom Fürsten Friedrich den Auftrag, an derselben Stelle ein Kurhaus zu errichten. 1922 ist Heinrich Mogk dann Mitglied im Aufsichtsrat der neu gegründeten ‚Bad Pyrmont AG’ und wird ein Jahr später in die hiesige Freimaurerloge ‚Friedrich zu den drei Quellen’ aufgenommen.
1932 entsteht, nach mehreren von ihm entworfenen Pensionsvillen und Privathäusern von ihm ein letztes öffentliches Gebäude: die (jetzt ehemalige) Post in der Bathildisstraße.
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 bleiben die Angaben zu seiner Person bis Kriegsende widersprüchlich. Einerseits gibt die Bad Pyrmonter Ortspolizei 1935 eine Meldung an das ‚Reichssicherheitshauptamt’ in Berlin weiter, dass Heinrich Mogk Verbindung zu einer ‚marxistischen Splittergruppe’ habe und er wird – nach eigenen Angeben im Jahr 1950 – „als Demokrat und Freimaurer“ vom NS-Bürgermeister Zuchhold beruflich „ausgeschaltet.“
Dafür spricht, dass er 1937 bis 1940 Bad Pyrmont verlässt und nach Hameln zieht. Andererseits mahnt Mogk in einem Brief im November 1945 bei der Ortspolizei von Bad Pyrmont vergeblich die Begleichung einer Rechnung über 555 RM aus dem Jahr 1944 an: Er habe im Mai 1944 in deren Auftrag Zeichnungen für den Umbau des Quäkerhauses an der Bombergallee angefertigt, die noch nicht bezahlt worden seien. Das Quäkerhaus war damals nach mehreren Hausdurchsuchungen von der Gestapo beschlagnahmt worden und sollte zu einem Schulungsheim für Gestapobeamte umgebaut werden.
Nach 1945 wird Mogk zu einem gefragten Leumundgeber bei der Entnazifizierung und stellt zahlreiche sogenannte ‚Persilscheine’ aus. Auch Mitbürger mit vergleichsweise recht hohen Parteiämtern wie der Ortsbauernführer August Schrader, der SA-Obertruppführer Peter Zastrow oder der NSDAP-Ortsgruppenkassenleiter Peter Bivour werden von ihm eher milde beurteilt. Im Dezember 1945 wird Heinrich Mogk von der britischen Militärregierung als Bürgermeister von Bad Pyrmont eingesetzt. Er verliert aber bereits im Mai 1946 diesen Posten aus unbekannten Gründen wieder. In diesem Jahr ist er Vorsitzender der FDP und soll stellvertretender Vorsitzender des Entnazifizierungsausschusses werden, lehnt dies jedoch ab. Mogk engagiert sich unterdessen stark in lokalen Dingen und ist 1946 an der Gründung der ‚Nordwestdeutschen Philharmonie’ beteiligt.
1948 wird er – obwohl es zwischendurch zu Klagen wegen seiner politischen Zuverlässigkeit kommt, was auf eine doch größere Kooperation mit dem NS-Regime hindeuten könnte – Mitglied des Zweiten Spruchausschusses für die Entnazifizierung in Bad Pyrmont. 1947 ist Mogk FDP-Stadtrat und Vorsitzender des Kur- und Verkehrsvereins. In dieser Funktion hat er ab Mitte der 1950er Jahre anhaltende Auseinandersetzungen mit der Stadt und dem Staatsbad in der Frage, wer die Tourismusbranche in Bad Pyrmont letztlich vertreten sollte. Heinrich Mogk stirbt 1956 in Bad Pyrmont.

