Familie Heymann
Die Geschichte der Familie Heymann war eine der im Holocaust ermordeten Familien. In der Brunnenstraße 10 betrieben Israel und Anna Heymann ein Textilgeschäft. Sie verloren ihren ersten Sohn 1915 wenige Tage nach seiner Geburt. Sein Grab ist das einzige noch vorhandene Kindergrab, das auf dem jüdischen Friedhof am Bomberg noch existiert. Sie adoptierten daraufhin ihren Sohn Rudi. Er besuchte von 1926 bis 1933 das Realgymnasium (später Oberschule für Jungen, heute Humboldt-Gymnasium) und machte anschließend in Hannover eine Lehre. Am 10. August 1935 wurde er wegen „Verkehrs mit einem arischen Mädchen“ verhaftet und in das Konzentrationslager Esterwegen gebracht.
Nach seiner Entlassung im April 1936 kehrte er nach Bad Pyrmont zurück. In der Reichspogromnacht 1938 wurden die Fensterscheiben des Textilgeschäftes der Familie eingeschlagen und Israel und Rudi Heymann zusammen mit anderen jüdischen Männern über Hameln und Ahlem in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert. Daraus wurden sie Ende November 1938 entlassen. Rudi Heymann gelang im Januar 1939 mit Hilfe der Quäkerin Mary Friedrich die Ausreise über Leeds in England nach Australien. Seine Eltern verblieben in ihrer Wohnung in Bad Pyrmont. Das Ehepaar wurde ab August 1941 ins sogenannte ‚Judenhaus‘ in der Viktor-Lutze-Straße 51 (heute Bahnhofstraße) eingewiesen. Zusammen mit anderen Juden wurden sie 1942 über Ahlem in das Ghetto Warschau deportiert und dort ermordet.
