SA

DIE SA IN BAD PYRMONT

SA und HJ auf dem Brunnenplatz | Foto: Museum im Schloss

Organisationsstruktur der SA in Bad Pyrmont

Obwohl das Bild der SA von Straßenkämpfen in Großstädten wie Hamburg und Berlin geprägt ist, war sie keineswegs nur dort tätig. Auch in ländlichen Regionen des Reichs war die SA weit verbreitet und aktiv. So hatte beispielsweise die Stadt Bad Pyrmont einen eigenen SA-Sturmbann als organisatorische Untereinheit der SA vor Ort. Dieser umfasste auch die Gebiete Löwensen, Thal und Holzhausen. 


Er unterstand der Standarte 164 Hameln, die wiederum der Gruppe Niedersachsen untergliedert war. Seinen Sitz hatte der Bad Pyrmonter Sturmbann seit 1933 in den Geschäftsräumen des sogenannten ‚Braunen Hauses‘, einem städtischen Verwaltungsgebäude in der Ruststraße (vormals Schulstraße, heute Rathausstraße). Dort hatten neben der SA auch die NSDAP und die HJ Räumlichkeiten angemietet. 


Obersturmbannführer war der Standortälteste Eitel Reimerdes. Als zentrale Führungsfigur hatte er die befehlsgebende Gewalt der SA in Bad Pyrmont inne und nahm auch die Befehle der Standarte aus Hameln entgegen. Neben Reimerdes übernahmen zahlreiche weitere Bad Pyrmonter Positionen innerhalb der SA. Die genaue Anzahl der Mitglieder des Sturmbanns lässt sich schwer rekonstruieren, er fasste schätzungsweise etwas weniger als 
200 Mitglieder. Zu ihnen gehörten Apotheker, Bänker, Zimmerer, Angestellte, Schlachtermeister und der stellv. Kurdirektor. Als Teil der SA setzten lokale Bürger den NS-Herrschaftsanspruch mit Gewalt und öffentlicher Repräsentation durch. Dabei war die SA weit mehr als ein bloßes Anhängsel der NSDAP – sie war ein prägender Bestandteil des politischen und gesellschaftlichen Lebens Bad Pyrmonts, organisatorisch fest verankert und öffentlichkeitswirksam inszeniert.
 

„In diesem Jahr war es unser 
schönes Bad Pyrmont, das das SA-Führerkorps gastlich aufnahm.“
Kur- und Fremdenzeitung, 30. Mai 1937

 

Sturmabteilung (SA)

Die SA wurde 1920 in der Weimarer Republik als Saalschutz für politische Veranstaltungen der Nationalsozialisten gegründet. Kurz darauf wurde sie bereits in einen paramilitärischen Kampfverband umgewandelt. Neben Aufmärschen, Paraden und anderen propagandistischen Veranstaltungen ging die SA vor allem mit Gewalt und Straßenkämpfen gegen politische Gegner vor. 1930 zählte sie 60.000 Mitglieder, darunter vor allem junge Männer aus sozial schwächeren Schichten. Mit der ‚Machtübernahme‘ der NSDAP im Jahr 1933 gewann die SA viele neue Mitglieder. Nach dem Reichstagsbrand vom 27. Februar 1933 wurde sie mit Sonderrechten ausgestattet und als Hilfspolizei zur Verfolgung politischer Gegner und Juden eingesetzt. Im Juni 1934 war aus der ehemaligen ‚Ordnertruppe‘ längst eine Massenorganisation mit mehr als drei Millionen Mitgliedern geworden, die zentral für den Aufstieg der NSDAP zur Massenpartei und die Etablierung der NS-Diktatur war.
 
Nach internen Machtkämpfen ließ Hitler am 30. Juni 1934 unter dem Vorwand des sogenannten ‚Röhm-Putsches‘ die gesamte Führungsriege der SA ermorden. Zum neuen Stabschef wurde Viktor Lutze ernannt. Unter ihm konnte die SA ihren alten Einfluss nicht wiedererlangen. Entgegen der gängigen Auffassung wurde sie jedoch nicht politisch bedeutungslos. Der lange herrschenden Erzählung zufolge schrumpfte die SA nach der Ermordung ihrer Führungsspitze zu einer politisch unwichtigen Stammtischtruppe: gewaltbereit, aber politisch randständig. Dies half vielen Mitgliedern nach dem Ende des NS-Staates weniger schuldig zu wirken, 
als sie waren. 

Kur- und Fremdenliste Bad Pyrmont, 23. Mai 1937 | Stadtarchiv Bad Pyrmont

Viktor Lutze als Ehrenbürger der Stadt Bad Pyrmont

Viktor Lutze (*1890) trat 1922 der NSDAP bei. Ein Jahr später wurde er Mitglied der SA. Ab 1930 war er SA-Führer im Gau Hannover und Mitglied des Deutschen Reichstags. 1933 stieg er zum SA-Obergruppenführer Nord auf und organisierte in Hannover den Terror gegen politische Gegner. Nach der ‚Machtübernahme‘ der NSDAP wurde Lutze im März 1933 Polizeipräsident bei der Polizeidirektion Hannover. Kurz danach wurde er zum Oberpräsidenten der preußischen Provinz Hannover ernannt. Sein Amt als Oberpräsident bekleidete er bis 1941; bis er auf eigenen Wunsch von der Position entbunden wurde. Im Zuge des sogenannten Röhm-Putsches wurde Lutze 1934 Nachfolger des ermordeten Ernst Röhm als Stabschef der SA. Er starb am 1. Mai 1943 an den Folgen eines Autounfalls. Hitler verlieh ihm postum die höchste Auszeichnung der NSDAP. Nach Lutzes Tod wurde Wilhelm Schepmann neuer Stabschef der SA.

Die starke Verbundenheit zwischen SA und Bad Pyrmont wurde symbolträchtig inszeniert: So beantragte Bürgermeister Zuchhold noch am Tag seiner Amtseinführung Viktor Lutze die Ehrenbürgerschaft der Stadt Bad Pyrmont zu verleihen. Damals war Lutze noch SA-Obergruppenführer und Oberpräsident von Hannover. Der Antrag wurde von den Ratsherren einstimmig angenommen. Im gleichen Jahr beschloss die Stadt ebenfalls eine Straßenumbenennung zu seinen Ehren. Aus der Bahnhofstraße wurde die Viktor-Lutze Straße. Als Lutze im Mai 1934 Bad Pyrmont besuchte, nahmen an dem zum Empfang gehörenden Aufmarsch etwa 4.000 SA-Männer teil.

1938 – also vier Jahre nach dem sogenannten ‚Röhm-Putsch‘ – erfolgte eine weitere Umbenennung. Aus der ehemaligen Schillerstraße in Holzhausen wurde die ‚Straße der SA‘.

Die starke Verbundenheit der SA mit Bad Pyrmont

Die SA nahm in der Öffentlichkeit Bad Pyrmonts viel Raum ein und war in den kommunalpolitischen Strukturen der Stadt tief verankert. Dafür beispielhaft sind die personellen Verflechtungen des Sturmbannführers Eitel Reimerdes. Er war Direktor des Verkehrsvereins sowie Mitglied des Kreis- und Museumsausschusses und damit in wichtigen lokalen Gremien tätig. Darüber hinaus zeugen viele Veranstaltungen, Projekte und Straßenumbenennungen von der starken Präsenz der SA in Bad Pyrmont – auch über den sogenannten Röhm-Putsch 1934 hinaus.

So war Bad Pyrmont mehrfach Austragungsort für Veranstaltungen der SA. Als sie 1937 eine Gruppenführertagung im Kurort abhielt, berichtete die Kurzeitung beispielsweise von reichlichem Flaggenschmuck und dem herzlichen Willkommen, den die Bad Pyrmonter der SA bereiteten. Auch inszenierte Aufmärsche, Feste und bewusst gewählte Straßenumbenennungen stärkten die Verbindung zwischen SA und Kurstadt.

Neben dieser öffentlichen Selbstdarstellung und symbolischen Repräsentation des Nationalsozialismus war die SA in Bad Pyrmont auch an der Verfolgung und Ausgrenzung von politisch und religiös Andersdenkenden beteiligt. In der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 verwüsteten SA-Männer beispielsweise den jüdischen Friedhof Bad Pyrmonts, schlugen Fensterscheiben von Häusern jüdischer Mitbürger ein und beteiligten sich an der Verfolgung und Verhaftung Pyrmonter Juden.

SA im Kurpark | Foto: Museum im Schloss
Foto: Stadtarchiv Bad Pyrmont

Grundsteinlegung Kriegerdenkmal

Die Grundsteinlegung des Kriegerdenkmals am 14. Juli 1935 wurde durch einen SA-Aufmarsch begleitet. Auch Bürgermeister Zuchhold, ebenfalls Mitglied der SA, trat medienwirksam in SA-Uniform auf. Die feierliche Einweihung des Denkmals ein Jahr später erfolgte durch den Stabschef der SA, Viktor Lutze. Für den dazugehörigen Aufmarsch wurden auch SA-Männer aus umliegenden Sturmbännen und Standarten, beispielsweise aus Göttingen, nach Bad Pyrmont berufen.

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Foto: Stadtarchiv Bad Pyrmont

Dr. Adolf Hölscher

Der Bad Pyrmonter Adolf Hölscher war Sturmbannarzt des Bad Pyrmonter SA-Sturmbanns II / 164.

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