Fritz Coppel (1889-1961)
Die Geschichte von Fritz Coppel ist ein Beispiel für die Vielfalt an antisemitischen Angriffen und Diffamierungen, denen jüdische Menschen ausgesetzt waren. Der Viehhändler und Schlachter Fritz Coppel, geboren 1889 lebte mit seiner Ehefrau Minna Coppel in einer sogenannten ‚Mischehe‘. Sie zogen 1933 von Holzminden nach Bad Pyrmont. Coppel hatte schon in Holzminden eine Dissidentenerklärung unterzeichnet, die belegte, dass er kein Mitglied der jüdischen Gemeinde mehr war. Trotzdem war er auch in Bad Pyrmont antisemitischen Angriffen ausgesetzt. Bereits wenige Wochen nach seiner Ankunft erschien in der Pyrmonter Zeitung ein hetzerischer Artikel, in dem Coppel diffamiert und als gefährlicher Jude dargestellt wurde. Kurz darauf wurde Coppel in Hameln in Schutzhaft genommen. In Rücksprache mit den Holzmindener Behörden erwiesen sich die Anschuldigungen gegen ihn allerdings als haltlos, sodass er wieder entlassen wurde. Im Rahmen der Reichspogromnacht 1938 wurde Coppel zusammen mit anderen jüdischen Männern gewaltvoll verhaftet und über Hameln und Ahlem nach Buchenwald deportiert. Ende November wurde er entlassen.
Im Dezember 1939 wurde Fritz Coppel nach Absprache mit dem Polizeirevier vom Arbeitsamt in Hameln dem Schlachtmeister H. als Aushilfskraft zugewiesen. Ab 1941 durfte er dort nur noch innerbetriebliche Tätigkeiten ausführen. So wurde es ihm beispielsweise verboten, Tiere abzuwiegen. Dieses Verbot hatte Bürgermeister Hans Zuchhold als Vertreter der Ortspolizeibehörde erwirkt. Außerdem war es Coppel verboten Fleisch- und Wurstwaren auszutragen oder Kunden zu bedienen, denn es konnte „den deutschen Volksgenossen nicht zugemutet werden Wurst- und Fleischwaren zu geniessen, die von einem Juden verarbeitet wurden“, wie es in einem Schreiben der Geheimen Staatspolizei hieß. Der Leiter des Arbeitsamtes suchte auf Wunsch des Landrates nach einer anderweitigen Beschäftigungsmöglichkeit für Fritz Coppel. Aus gesundheitlichen Gründen war es Coppel aber nicht möglich Tätigkeiten im Außenbereich oder Baugewerbe nachzugehen und er verblieb beim Fleischermeister Heitmüller.
Im Oktober 1941 wurde er getrennt von seiner Ehefrau in das sogenannten ‚Judenhaus‘ in der Viktor-Lutze-Straße 51 (heute Bahnhofstraße) eingewiesen, wo er bis 1942 lebte. Ursprünglich sollte Coppel ab 1941 mit einem Sammeltransport „in den Osten“ deportiert werden. Der Transport erfolgte jedoch nicht. Danach musste er sich versteckt halten und kam zeitweise bei seinem ehemaligen Arbeitgeber, dem Schlachter W., unter. Erst am 20. November 1944 wurde er erneut verhaftet – diesmal aufgrund einer Denunziation zweier Nachbarinnen. Über das Polizeigefängnis Hannover wurde er im Februar 1945 in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Nach der Befreiung des Ghettos kehrte Fritz Coppel am 25. Juli 1945 nach Bad Pyrmont zurück. In den folgenden Jahren wurde Coppel der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde. Er starb am 29. Dezember 1961 in Bad Pyrmont.
