Hartmann Lauterbacher
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Hartmann Lauterbacher (1909-1988)

Hartmann Lauterbacher wird 1909 als Sohn eines Tierarztes in Reutte in Tirol geboren. Der 14-Jährige gründet bereits 1923 in Kufstein die erste NS-Jugendgruppe Österreichs. 1927 kommt er für eine Drogistenausbildung nach Braunschweig und tritt dort in die NSDAP ein. Als HJ-Führer baut er in den kommenden Jahren bis 1933 die HJ in den ‚Gauen’ Südhannover-Braunschweig, Westfalen-Niederrhein und dem Obergebiet West zur mitgliederstärksten Region auf. 1934 bis 1940 ist er ‚Stabsführer’ und Stellvertreter des sogenannten ‚Reichjugendführers’ Baldur von Schirach. 1940 übernimmt er – inzwischen auch ‚Obergruppenführer’ bei der SA und SS – das Amt des ‚Gauleiters’ von Südhannover-Braunschweig. Er wird 1941 Oberpräsident der preussischen Provinz Hannover und Nachfolger des früheren SA-Führers Victor Lutze.

Während der Kriegsjahre residiert Lauterbacher an Wochenenden immer wieder im Schloss Bad Pyrmont und hat auch anlässlich der Absetzung des Bürgermeisters Hans Zuchhold 1942 mit der Stadt zu tun.

Im Jahr 1941 sorgt er mit der berüchtigten ‚Aktion Lauterbacher’ für die brutale Ghettoisierung von über tausend Jüdinnen und Juden in Hannover, die er in sogenannte ‚Judenhäusern’ auf engstem Raum zusammenpferchen lässt, bevor sie dann in die Konzentrationslager von Riga und Theresienstadt deportiert werden. Während des Krieges erweist er sich – auch in seiner Tätigkeit als sogenannter ‚Gauverteidigungskommissar’ – bis Kriegsende weiterhin als fanatischer Nationalsozialist, der noch am 4. April 1945 in Hannover Durchhalteparolen verbreiten lässt und jede Form der Kapitulation bei Todesstrafe verbietet. Er selbst hat sich, seine Frau und die drei Kinder da allerdings schon im Harz in Sicherheit gebracht.

1945 bis 48 wird Lauterbacher zeitweilig interniert, muss aber im ‚Nürnberger Prozess’ 1946 lediglich als Entlastungszeuge für Baldur von Schirach aussagen. Wegen der Erschiessung von amerikanischen Piloten bzw. dem Befehl zur Ermordung von Gefangenen im Gefängnis von Hameln 1945 kommt es dann sowohl von amerikanischer als auch britischer Seite zur Anklage gegen ihn, aber beide Fälle enden für ihn mit Freispruch. Für die folgende Zeit bis 1950 ist Vieles nicht eindeutig belegt: Lauterbacher kann sich zunächst einem (deutschen) Spruchkammerverfahren durch Flucht entziehen, wird aber dann in Hannover wegen der ‚Aktion Lauterbacher’ tatsächlich vor Gericht gestellt. Anfang 1948 findet er die Gelegenheit aus dem englischen Internierungslager Sandbostel zu entkommen. Auf dem Weg nach Italien nimmt er eine neue Identität an und taucht in Rom unter. Er kann dort auf alte Netzwerke und Verbindungen zu nationalsozialistischen Fluchthelfern, wie dem Bischof Hudal, zurückgreifen und hat in dieser Zeit auch Kontakt zum US-Geheimdienst CIC.

1950 ist er wieder bei seiner Familie in München und wird bald darauf von der ‚Organisation Gehlen’, dem Vorläufer des BND als Agent angeworben. Für den BND arbeitet er unter dem Decknamen ‚Leonhard’ als Referatsleiter bis 1963 überall im Nahen Osten und auch in der DDR. In den folgenden Jahren ist Lauterbacher als Geschäftsmann und bis in die 1970er Jahre u.a. auch als Berater der Regierung von Ghana und dem Sultanat Oman tätig. Er veröffentlicht 1984 ein Erinnerungsbuch, in dem er selbstbewusst seine ungebrochene nationalsozialistische Gesinnung dokumentiert und stirbt – juristisch unbehelligt – 1988 in Seebruck am Chiemsee. 

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