DIE THEMEN
"Ein Weltbad wie Pyrmont" - Kurstadt und Nationalsozialismus
Tauchen Sie auf den folgenenden Seiten in verschiedene thematische Schwerpunkte der Bad Pyrmonter Geschichte während der NS-Zeit ein. Die Themen sind sortiert nach inhaltlichen Zusammenhängen. Jedes Thema steht jedoch für sich und ist einzeln und unabhängig voneinander verständlich.
Die politischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklungen dieser Zeit lassen sich in Bad Pyrmont wie unter einem Brennglas nachvollziehen.
Nach der ‚Machtübernahme‘ erfolgten auch in Bad Pyrmont die Gleichschaltung der Verwaltung und anderer Institutionen sowie die Etablierung neuer Strukturen.
Der ‚Fall Vietmeyer‘ zeigt eindrücklich, dass dem NS-Regime innerhalb von nur wenigen Monaten eine tiefgreifende Veränderung der politischen Ordnung in Deutschland gelungen war.
Die von Bürgermeister Zuchhold gegründete Stiftung ermögliche verdienten NSDAP-Mitgliedern eine Kur in Bad Pyrmont.
Da im ‚Dritten Reich‘ das Kur- und Bäderwesen dem Fremdenverkehr zugeordnet wurde, kam es in Bad Pyrmont bereits früh zu einer Ausweitung der politischen Kontrolle und zur Gleichschaltung in diesem Bereich.
Nach der 'Machtübernahme' erfolgte eine politische Imagebildung, die bewusst das Bild eines weitgehend unpolitischen Kurorts inszenierte.
Das NS-Regime warb damit, dass sie Kurorte allen ‚Volksgenossen‘ verfügbar machen würden. In der Realität blieb ein Kuraufenthalt jedoch für die meisten Menschen weiterhin unbezahlbar.
Der Kriegsausbruch führte 1939 zu einer plötzlichen Abreise zahlreicher Gäste – es kamen etwa 2.000 Gäste weniger in das Staatsbad als in der Saison zuvor. Aber: Nach erster Verunsicherung stiegen die Gäste- und Übernachtungszahlen bis 1941 wieder deutlich an.
Kurstädte wurden besonders häufig als Standort für die Verwundetenversorgung ausgewählt. Bad Pyrmonts Geschichte als Lazarettstadt beginnt bereits mit Kriegsbeginn.
Während des Zweiten Weltkriegs fehlten der deutschen Kriegswirtschaft viele Arbeitskräfte. Daher wurde der Einsatz von ausländischen Arbeitskräften erzwungen. In Bad Pyrmont wurden 400 Zwangsarbeiter eingesetzt.
Mit der Zäsur 1933 wurde auch der vergleichsweise autonome Schulalltag in den Dienst des NS-Regimes gestellt und das Schulsystem gleichgeschaltet.
Auch in Bad Pyrmont schlugen sich Veranstaltungen und Organisationen der Staatsjugend auf vielfältige Weise nieder.
Seit dem Aufbau des Kurbetriebs und der Gründung der Stadt Pyrmont im 18. Jahrhundert lebten hier Menschen jüdischen Glaubens. Mit der 'Machtübernahme' setzte auch in Bad Pyrmont die systematische verfolgung und Vernichtung der Juden ein.
Seit dem 18. Jahrhundert sind Quäker in Bad Pyrmont beheimatet. Im Nationalsozialismus standen sie aufgrund ihrer pazifistischen und egalitären Ausrichtung reichsweit in Konflikten mit dem Regime.
Nach der Machtübernahme strebte das NS-Regime die Gleichschaltung der christlichen Kirchen an. Der christliche Glaube sollte dabei der nationalsozialistischen Ideologie untergeordnet werden.
Über die Bad Pyrmonter Loge ‚Friedrich zu den drei Quellen‘ sind nur wenige Quellen überliefert.
Neben der Wahrnehmung ihrer Vollzugsmaßnahmen und Routineaufgaben war die Polizei auch an der Umsetzung ideologischer Zwangsmaßnahmen beteiligt.
Obwohl das Bild der SA von Straßenkämpfen in Großstädten wie Hamburg und Berlin geprägt ist, war sie keineswegs nur dort tätig. Auch in ländlichen Regionen des Reichs wie Bad Pyrmont war die SA weit verbreitet und aktiv.
Im Gegensatz zu den Monumentalbauten in Großstädten wie Berlin oder Nürnberg zeigten sich die Veränderungen im kleinstädtischen Bereich, wie auch in Bad Pyrmont, subtiler.
Schloss Pyrmont gehörte während der NS-Zeit noch der fürstlichen Familie Waldeck-Pyrmont. Erprinz und SS-General Josias stellte das Schloss für verschiedene Zwecke zur Verfügung.
Das Bad Pyrmonter Denkmal sollte die Gefallenen des Ersten Weltkriegs ehren und gleichzeitig durch die deutliche Bildsprache die nationalsozialistische Ideologie fördern.
Bad Pyrmont hat eine lange Tradition als ‚Musikbad‘. Mit der 'Machtübernahme' ändert sich das Unterhaltungsprogramm deutlich.
Die Reichserntedankfeste am nahegelgenen Bückeberg in Emmerthal hatten auch auf Bad Pyrmont erhebliche Auswirkungen.
Die ‚germanische Vergangenheit‘ des Kurortes im Zusammenhang mit dem nationalsozialistischen Germanenkult wurde zu einem neuen Werbeargument für Bad Pyrmont und als besonders positiver Teil der Vergangenheit inszeniert.
Die Eingemeindung von Holzhausen spielt noch heute im kollektiven Gedächtnis der Stadt eine zentrale Rolle.
In Bad Pyrmont endete der Zweite Weltkrieg bereits am 5. April 1945, als die Stadt kampflos an die US-Amerikanischen Truppen übergeben wurde.
Eine Auseinandersetzung und Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit fand in der bundesrepublikanischen Geschichte – und in Bad Pyrmont – sehr lange nicht statt.



























