Dr. Adolf Hölscher (1859-1951)
Adolf Hölscher wird 1859 in Bad Pyrmont geboren. Sein Vater entstammt einer Handwerkerfamilie und eröffnet später zusammen mit der Mutter ein Modewarengeschäft in der Stadt. Nach Besuch der Volksschule in Bad Pyrmont und dem Besuch der Realschule in Hameln soll der Sohn zunächst in Bremen eine kaufmännische Richtung einschlagen, besucht aber dann das Gymnasium in Hameln und macht dort sein Abitur. Es folgt ein Medizinstudium in Freiburg
i. Brsg., Kiel und Leipzig. 1887 wird er in Freiburg Doktor der Medizin und lässt sich bald darauf in Bad Pyrmont als praktischer Arzt und Frauenarzt nieder. Er übernimmt dort 1891 das Kreiskrankenhaus und das sog. ‚Siechenheim Bethesda’ und führt beide Häuser - schließlich ehrenamtlich – bis in die Zeit des Zweiten Weltkriegs weiter. Im Ersten Weltkrieg wird er leitender Arzt des lokalen Vereinslazaretts, das dem X. Armeekorps angegliedert ist. Neben seiner medizinischen Tätigkeit als Chirurg, Badearzt und bis 1922 auch als hiesiger Theaterarzt führt er zusammen mit seiner Frau Hildegard, einer Deutsch-Amerikanerin, die angesehene Kurpension ‚Haus Hölscher’ am Kaiserplatz.
1933 tritt er in die NSDAP ein und wird Sturmbannarzt des Bad Pyrmonter SA-Sturmbanns II / 164. Dr. Hölscher, der 1935 mit 76 Jahren noch das SA-Sport-abzeichen gemacht hat, betreut in diesen Jahren auch aktiv das Sanitätswesen während der sog. ‚Reichserntedankfeste’ auf dem Bückeberg. 1937 ernennt man den rüstigen Senior zum SA-Sanitäts-Obersturmführer und im gleichen Jahr auch zum Ehrenbürger von Bad Pyrmont.
Sein repräsentatives Haus am Kaiserplatz – während des Zweiten Weltkrieges interessanterweise kein Lazarett – wird 1946 erst von den Engländern, dann für die deutsche Wirtschaft beschlagnahmt, schließlich von der Landesregierung Hannover gemietet. Nach der Währungsreform 1948 bekommen Hölschers das Haus zurück und er beginnt, seine Erinnerungen, eine ‚Pyrmonter Stadtchronik’ aufzuschreiben. Die wenigen Seiten sind ein aufschlussreiches persönliches und zeit-geschichtliches Dokument, das neben Biografischem, zahlreichen Anekdoten und Histörchen aus dem ‚alten Pyrmont’ eine Liste seiner illustren, oft adeligen Kurgäste vermerkt, in der neben Künstlern, der ehemaligen deutschen Kaiserin Hermine, diversen Fürstinnen und Fürsten 1936 ganz selbstverständlich auch Joseph Goebbels oder 1938 der NS-Wirtschaftsminister Walther Funk Erwähnung finden. Aufschlussreich für den Zeitpunkt der Niederschrift nach Weltkrieg und Holocaust ist besonders das Kapitel ‚Juden in Pyrmont’, in dem Dr. Hölscher alle Häuser und deren damalige jüdischen Bewohner vor 1933 in Bad Pyrmont kurz charakterisiert. In irritierend humoristischer Sprache betont er dabei ein gewisses Vertrauensverhältnis zur jüdischen Bevölkerung, verwendet gleichzeitig aber – sowohl verdeckt als auch offen – karikierende antisemitische Stereotypen und kann für das historische Bad Pyrmont insgesamt nur einen hie und da erscheinenden ‚harmlosen Antisemitismus’ feststellen. Der bis in sein hohes Alter noch praktizierende Sanitätsrat stirbt 1951, ein Jahr nach seiner Frau mit 93 Jahren als „Helfer der Menschen und Freund der Blumen“ hochgeehrt in Bad Pyrmont.

