Adolf Hitler Stiftung

DIE ADOLF-HITLER-BAD PYRMONT-STIFTUNG

Foto: Stadtarchiv Bad Pyrmont

„(...) da schaltete das Wunschkonzert dorthin um, und die 
Besatzung erfuhr, was alles im Reich für sie gestiftet wurde, Geld, Zigaretten, Urlaub in Pyrmont (...) usw. “
Lore Walb: Tagebucheintrag vom 21.10.1939

Die ‚Adolf-Hitler-Bad Pyrmont-Stiftung‘

Bürgermeister Hans Zuchhold gründete im September 1933, kurz nach seinem Amtsantritt, die sogenannte ‚Adolf-Hitler-Bad Pyrmont-Stiftung‘. Dafür richtete er im zweiten Stock der Villa ein Heim für jeweils vier bis sechs erholungsbedürftige Parteigenossen ein. Die Gründung von derartig benannten Stiftungen ist dabei kein Bad Pyrmonter Spezifikum. So existierten auch andere ‚Adolf Hitler-Stiftungen‘ mit jeweils anderen Schwerpunkten. Ziel der hiesigen Stiftung war es, laut der Gründungsurkunde, „erholungsbedürftigen Volksgenossen, in erster Linie Parteigenossen, die sich im Kampfe für Volk und Vaterland gesundheitliche Schädigungen zugezogen hatten“ Kuraufenthalte zu ermöglichen. Von 1933 bis 1944 kamen durch die Stiftung mindestens 330 namentlich bekannte Personen nach Bad Pyrmont, insgesamt waren es wohl etwa 400 Personen.
Laut Satzung sollte Adolf Hitler persönlich darüber bestimmen, welcher Parteigenosse würdig genug sei, die Angebote der Stiftung wahrzunehmen. In der Realität entschied die NS-Volkswohlfahrt des Gau-Berlins, wem ein Aufenthalt zustand.

Da die Räumlichkeiten der Stiftung allerdings nur während der Kursaison belegt waren, standen sie den Rest des Jahres leer. Mit diesem Argument wurden die Zimmer in der Schloßstraße 9 ab März 1943 zur Unterbringung von Ausgebombten, Flüchtlingen und Vertriebenen genutzt. Die Stiftungsgäste wurden stattdessen im Hotel ‚Quellenhof‘ (heute Rathausstraße) untergebracht. Noch 1944 organisierte die Stiftung drei- bis vierwöchige Kuren.
Die Glocke, 5. September 1933 | zeit.punktNRW

Überregionale Wirkung der Stiftung

Die Gründung der ‚Adolf Hitler-Bad Pyrmont-Stiftung‘ schlug sich auch überregional in vielen Zeitungen nieder. Auch die über die Stiftung verpflegten Kurgäste kamen aus dem gesamten Reichsgebiet, von Berlin, Hannover, Magdeburg über Breslau, Hamburg, Essen bis Nürnberg und Stuttgart.

Ebenso berichteten die Lokalzeitungen regelmäßig: sowohl über die Stiftung an sich, als auch über die Spendenbereitschaft der Bevölkerung Bad Pyrmonts. Damit stellten sie die Stadt als besonders wohltätig und verbunden zu Adolf Hitler dar. Mit den Artikeln war häufig ein Dank, aber auch eine weitere Aufforderung verbunden, weiterhin zu spenden.

Darüber hinaus stützten Dankesschreiben dieses Bild und hoben die angeblichen Vorzüge der Volksgemeinschaft sowie der Kurstadt hervor. All diese Artikel inszenieren Bad Pyrmont als wertvollen Ort der NS-Gemeinschaft.

Foto: Stadtarchiv Bad Pyrmont

Finanzierung und Gäste

Finanziert wurde die Stiftung durch Zuschüsse, Mitgliedsbeiträge der Wirtschaftsgruppe Gaststätten- und Fremdenheimgewerbe und Spenden: Die Stadt zahlte etwa 1.000 RM im Jahr, die Kurverwaltung stellte die gleiche Summe zur Verfügung. Die städtischen Beamten und Angestellten, die im Winter einen kleinen Betrag der Lohnsteuer für die Winterhilfe abzuführen hatten, stellten im Sommer die gleiche Summe für die Stiftung zur Verfügung. Darüber hinaus gewährte die Kurverwaltung freie Kurmittel und Kurkarten. Bäcker, Schlachter und Milchhändler lieferten kostenlos Lebensmittel, Bad Pyrmonter Wäschereien beteiligten sich ebenfalls, um ihren „Teil zu dieser guten Sache im Sinne unseres Führers“ beizutragen, wie es in einem ihrer Bestätigungsschreiben hieß. Auch die Einrichtung mit Möbeln und Haushaltsgegenständen erfolgte durch Sachspenden.

1939 wurde die Stiftung offiziell vom Gau-Berlin übernommen. 
Ihre Unterhaltungskosten wurden zukünftig mit 3.500 RM vom Gau-Berlin und mit 1.000 RM von der Stadt Bad Pyrmont getragen. Trotzdem kam es immer wieder zu finanziellen Problemen und die Zuschüsse von Stadt und der Gauleitung Berlin waren dringend notwendig. Während die Stiftung bis 1939 abwechselnd mit Männern und Frauen belegt war, wurden die vier Plätze ab diesem Zeitpunkt nur noch mit Frauen belegt. Jeweils drei Frauen wurden durch die Volkswohlfahrt des Gau-Berlins bestimmt, eine von der Gauleitung Hannover. War ihre Kurzeit vorbei, kamen die nächsten bedürftigen ‚Parteigenossinnen'.

VERWANDTE THEMEN

Zeichnung Malte Wulf

Die Etablierung der NS-Diktatur

Erfahren Sie hier, welche Mechanismen auch in Bad Pyrmont einsetzten, um die NS-Diktatur zu etablieren und zu festigen. 

Foto: Museum im Schloss

Das Image eines 'Weltbades'

Nach der Machtübernahme weitete die NSDAP nicht nur ihre Kontrolle über das Bad Pyrmonter Kur- und Fremdenverkehrswesen aus, sondern auch über seine öffentliche Werbung. 

Foto: Museum im Schloss

Gleichschaltung des Fremdenverkehrs 

Die Gleichschaltung des Fremdenverkehrs in Bad Pyrmont sollte den wichtigsten Wirtschaftszwei der Stadt wieder ankurbeln.

Foto: Museum im Schloss

Entwicklung des Fremdenverkehrs 

Erfahren Sie hier, wie sich der Fremdenverkehr in Bad Pymront im Laufe der NS-Diktatur gewandelt hat. 

Information icon

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.