Das Image eines "Weltbades"

DAS IMAGE EINES "WELTBADES"

Werbebroschüre der NS-Zeit | Museum im Schloss

Das Image Bad Pyrmonts 

Nach der 'Machtübernahme' weitete die NSDAP nicht nur ihre Kontrolle über das Bad Pyrmonter Kur- und Fremdenverkehrswesen aus, sondern auch über seine öffentliche Werbung. Es erfolgte eine politische Imagebildung, die bewusst das Bild eines weitgehend unpolitischen Kurorts inszenierte. Der Titel ‚Weltbad‘ wurde zum Leitwort der Kurstadt unter nationalsozialistischer Herrschaft – er vermittelte ein Bild von internationalem Ruhm, bedeutsamem Publikum und Glanz. Bad Pyrmont wurde im Einklang mit den kulturpolitischen Vorstellungen des NS-Regimes als ‚heile Welt‘ inszeniert, die an die Tradition des Ortes anknüpfte, jedoch an ausgewählten Stellen gezielt nationalsozialistisch-ideologische Elemente inkludierte. Dies geschah allerdings zurückhaltend, da das internationale Publikum nicht verschreckt und das ‚Dritte Reich‘ friedlich präsentiert werden sollte. So kam Bad Pyrmont als Fremdenverkehrsort und seinem Image politisch eine entsprechend bedeutsame Rolle zu. Zudem sollten unpolitisch anmutende Werbemaßnahmen einen Einbruch der Gästezahlen durch eine zu starke Ideologisierung vermeiden. Zuständig für die Fremdenverkehrswerbung war der städtische Verkehrsverein, in dem Bürgermeister Zuchhold sowie die lokale NS-Regierung ihre Interessen durchsetzten.

„Aus sich heraus kann sich eine Stadt wie Pyrmont, ein Weltbad wie Pyrmont niemals helfen. Auf Gedeih und Verderb ist die Bürgerschaft mit dem Fremdenverkehr verbunden. Deswegen gilt es, unseren deutschen Volksgenossen außerhalb der Mauern Pyrmonts zu zeigen, was Pyrmont war, was es ist und was es werden soll.“
Hans Zuchhold im Vorwort der Werbebroschüre ‚Bad Pyrmont‘, 1934

Veranstaltung in der Konzertmuschel | Stadtarchiv Bad Pyrmont

Unpolitisches Unterhaltungsangebot? 

Bad Pyrmont warb mit seinem Unterhaltungsangebot auf Großstadtniveau und mit (welt-)bekannten Künstlern. Dabei wurden die Unterhaltungsangebote bewusst als scheinbar ideologiefreier, unpolitischer Raum dargestellt. Dies fügte sich in die allgemeine nationalsozialistische Strategie ein, Freizeit, Unterhaltung und Kultur nicht allumfassend zu ideologisieren. Das Ziel war es, die ‚Volksgemeinschaft‘ über vermeintlich politikferne Bereiche wie Freizeit und Konsum erfahrbar zu machen und sich die Akzeptanz in der Bevölkerung zu sichern. Obwohl sie also in den Dienst des Regimes gestellt wurden, sollten diese Bereiche weitgehend politikfern erscheinen. Anstatt einen radikalen Bruch mit der Vergangenheit herbeizuführen, setzten die Nationalsozialisten auch in diesem Bereich auf Kontinuität und suggerierten so Normalität. Trotzdem entsprach das Unterhaltungsangebot dem Sinne der neuen Machthaber – auch das Bad Pyrmonter Musikprogramm: Unterhaltsame, aber ‚deutsche‘ Musik wurde gefördert. Gleichzeitig orientierte sich das regelmäßige Musikprogramm an bestehenden, aber ideologiekonformen Publikumsgewohnheiten. Obwohl das Angebot damit ‚unpolitisch‘ anmutete, war es ‚deutschbetont‘ und systemkonform.

Farbfoto aus Werbebroschüre der NS-Zeit | Museum im Schloss

Wie unpolitisch war die Werbung wirklich?

Bad Pyrmont sprach als selbst ernanntes ‚Weltbad‘ auch unter nationalsozialistischer Herrschaft weiterhin eine wohlhabende, bürgerliche Klientel an und präsentierte sich entsprechend. Gäste, die diesem Image nicht entsprachen, mussten in den Hintergrund treten, wie beispielsweise die Sozialgäste und KdF-Reisende. Mit der inszenierten ‚heilen Welt‘ sollte nicht gebrochen werden. So wurden beispielsweise der schrittweise Ausschluss jüdischer Gäste oder der Boykott jüdischer Musiker nicht groß thematisiert. Beworben wurde stattdessen die Tradition des Kurortes, die Unterhaltung auf Großstadtniveau, sein Naturidyll und seine Internationalität. Statt auf eine radikale Erneuerung und einen grundlegenden Wandel zu setzen, wurde die Kontinuität des Ortes hervorgehoben. Während die Nationalsozialisten im ganzen Reich ihren Machtanspruch durch Aufmärsche, Hitlergrüße und Parteiabzeichen repräsentierten, geschah dies in Bad Pyrmont unauffälliger. Auch wenn die Werbung und das Image Bad Pyrmonts damit unpolitisch erschienen, war es insofern doch politisch, als dass es sich unterschwellig an die ideologischen Vorstellungen der Nationalsozialisten anpasste – und seine Inszenierung gezielt im Sinne des nationalsozialistischen Regimes geschah.

Kur- und Fremdenliste Bad Pyrmont, 2. Juni 1940 | Stadtarchiv Bad Pyrmont

Das Image im Krieg 

Auch im Krieg bemühte sich der Kurort das Image einer ‚heilen Welt‘ aufrechtzuerhalten. Erholung, Entspannung und Vergnügen standen dabei immer noch an vorderster Stelle. Der Kurort wurde nun zur Ablenkung vom Krieg: Paradiesische Beschreibungen der Natur, sowie das zwar eingeschränkte, aber weiterhin bestehende Unterhaltungsangebot wurden dabei gezielt zu Werbezwecken genutzt. Während das Image Bad Pyrmonts vor dem Krieg allerdings als ‚unpolitisch‘ dargestellt wurde, hielten nun auch politische Inhalte Einzug in das Kurleben. Hielt sich die Kurzeitung z. B. bis zum Kriegsanfang mit antisemitischen Aussagen zurück, lassen sich mit Kriegsbeginn in relativ kurzem Abstand mehrere deutlich antisemitische, hetzerische Artikel finden.

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Foto: Museum im Schloss

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Nach der Machtübernahme weitete die NSDAP nicht nur ihre Kontrolle über das Bad Pyrmonter Kur- und Fremdenverkehrswesen aus, sondern auch über seine öffentliche Werbung. 

Foto: Museum im Schloss

Gleichschaltung des Fremdenverkehrs 

Die Gleichschaltung des Fremdenverkehrs in Bad Pyrmont sollte den wichtigsten Wirtschaftszwei der Stadt wieder ankurbeln.

Foto: Museum im Schloss

Entwicklung des Fremdenverkehrs 

Erfahren Sie hier, wie sich der Fremdenverkehr in Bad Pymront im Laufe der NS-Diktatur gewandelt hat. 

Zeichnung Malte Wulf

Adolf-Hitler-Bad Pyrmont-Stiftung

Die Adolf-Hitler-Bad Pyrmont-Stiftung sorgte für überregioanles Aufsehen. 

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