Geschichte

BAD PYRMONTS GESCHICHTE IM KONTEXT DER NS-PROPAGANDA

Das Heimatmuseum in der Wandelhalle | Zeichnung: Malte Wulf

Germanisches Bad Pyrmont

Bad Pyrmonts Geschichte ist schon aufgrund des Brunnenfundes mit der Frühgeschichte verbunden. Diese Verbindung wurde in der Zeit des Nationalsozialismus aufgewertet: Die ‚germanische Vergangenheit‘ des Kurortes im Zusammenhang mit dem nationalsozialistischen Germanenkult wurde zu einem neuen Werbeargument für Bad Pyrmont und als besonders positiver Teil der Vergangenheit inszeniert. Vor der ‚Machtübernahme‘ kamen entsprechende Bezüge nur vereinzelt vor und blieben inhaltlich eher zurückhaltend, sogar abwertend.


Nach 1933 nahmen die überblicksartigen Darstellungen zur Geschichte Bad Pyrmonts nun deutlich Bezug auf eine als solche beschriebene germanische Vergangenheit, zum anderen wurden auch speziell Artikel und Schriften darüber veröffentlicht. So hieß es etwa in einer Kurzeitung von 1934: „Für den Einheimischen sowohl wie für den Fremden, der Pyrmont besucht, ist es verlockend, mit dem Gedanken zu spielen, daß hier am ‚Heiligen Born‘ vielleicht auch Hermann der Cherusker, Germaniens Befreier, in stiller Stunde sich Kraft und Siegesglauben hatte, ehe er in den blutigen Entscheidungskampf gegen Varus und seine Legionen zog.“ Eingebettet wurde Bad Pyrmont in eine Heldengeschichte nationaler Befreiung und militärischen (Wieder-)aufstiegs, die sich in das Grundmuster der NS-Geschichtspolitik einordnete. 

Foto: Museum im Schloss

Bad Pyrmonts Nähe zu germanischen Kultstätten

Nicht nur in, sondern auch um Bad Pyrmont befänden sich Spuren dieser germanischen Vergangenheit, so die allgemeine Deutung. Die Nähe Bad Pyrmonts zu ‚altgermanischen‘ Kultstätten, wie dem Hermannsdenkmal, den Externsteinen oder dann auch zum Bückeberg, trug zur Attraktivität einer Reise nach Bad Pyrmont bei. So berichtete die Kurzeitung 1936: „In der Zeit neu erwachten völkischen Bewußtseins aber macht es die unmittelbare Nähe zahlreicher altgermanischer Kultstätten, unter denen die Externsteine als oberstes zu nennen sind, und das Erntedankfest des deutschen Bauern am nahen Bückeberge mehr noch als früher zu bevorzugten Reiseziel all derer, die Niedersachsen und das Weserland als eine der deutschesten Landschaften unseres Vaterlandes kennen lernen wollen und daneben Anregung und Entspannung in schöner Natur und heiterer Geselligkeit suchen.“

Foto: Museum im Schloss

Die Bedeutung der Externsteine

In der von Bürgermeister Zuchhold herausgegebenen Werbeschrift zu Bad Pyrmont, verfasste der Holzhäuser Lehrer Erwin Brauss einen Artikel, in dem er die Externsteine als gemeinsames „Gauheiligtum“ beschrieb: „Wie sich so offenbar drei benachbarte Gebiete mit eigenen kultischen Mittelpunkten in einem gemeinsamen Gauheiligtum zu einer höheren Einheit zusammenfanden, so schlossen sich wiederum die sieben Stämme (...) zu einem festen Bunde zusammen.“ Damit stellte der Autor die nationalsozialistische Gegenwart in Parallele zur germanischen Vergangenheit und propagierte eine Einheit, damals wie ‚heute‘ – eine Einheit über ein gegenseitiges Kennenlernen der unterschiedlichen Gebiete, das zu erreichen auch Ziel der NS-Fremdenverkehrspolitik war.

Pyrmonter Anzeiger und Tageblatt, 9. August 1935

Die Externsteine als Ausflugsziel

Für Kurgäste wurden auch Ausflüge zu den germanischen Kultstätten in der Region angeboten. Die Exernsteine und weitere Attraktionen wurden Teil des Unterhaltungsangebotes. Der Kurort und seine Umgebung wurden als historischer Erinnerungs- und Erlebnisort mit starkem völkischen Einschlag inszeniert, an dem sich Besuchende auf die Spuren der germanischen Vorfahren und Helden begeben konnten. Die Darstellungen orientierten sich dabei an der Deutung einer Vergangenheit, die in der Gegenwart mobilisieren und das ‚völkische‘ Bewusstsein schärfen sollte und gaben dem Kurort damit eine neue Bedeutung.

Doch nicht alle durften die Externsteine besuchen. Der Pyrmonter Anzeiger verkündete 1935, dass die Externstein-Stiftung Juden den Zutritt zum Gelände verbot.
 

„(...) das Weserland als eine der deutschesten Landschaften unseres Vaterlandes (...)“
Kur- und Fremdenliste Bad Pyrmont, 3. Oktober 1936

Foto: Museum im Schloss
Foto: Museum im Schloss

Arbeitsgemeinschaft für Germanische Vorgeschichte

1933 entstand in Bad Pyrmont die Arbeitsgemeinschaft für Vor- und Frühgeschichte, aus der Erkenntnisse und Ideen für die Entwicklung des Museums an Bürgermeister Zuchhold herangetragen wurden. Dieser machte 1935 Dr. Gabert zum neuen Museumsleiter und stattete das Museum mit 1.000 Reichsmark für das kommende Jahr aus. Kurdirektor Gallion sagte einen weiteren Raum in der Wandelhalle zu, um das Museum zu erweitern. Das Landesmuseum Hannover und der staatliche Pfleger für Heimatmuseen der Provinz Hannover unterstützten bei der Einrichtung des Museums.

1937 erschienen erstmals die Aufsatzsammlungen ‚Kleine Studien zur Pyrmonter Geschichte und Heimatkunde‘. Außerdem bot der Verein Fahrten u. a. zu den Externsteinen an, deren Erlös dem Museum zu Gute kam. 1938 wurde das Museum noch einmal vergrößert. 

Foto: Museum im Schloss

Der Museumsausschuss

1936 wurde ein Museumsausschuss installiert, der „für die Betreuung der zu leistenden Arbeiten zukünftig verantwortlich ist“. Die Besetzung des Ausschusses macht deutlich, dass hier keine fachliche Kompetenz, sondern Linientreue gefragt war.
 

Schreiben des Museumsleiters an den Bürgermeister vom 30. Mai 1942 | Museum im Schloss

Auslagerung von Kunstgegenständen während des Krieges

1942 wurden auf Verfügung des Regierungspräsidenten die unentbehrlichen Stücke der Museumssammlung „gegen Fliegereinwirkung“ anderweitig untergebracht. Die Wandelhalle galt zwar durch ihre Wandkonstruktion als sicher gegen Splitter, doch aufgrund ihrer exponierten Lage und Form als potentielles Ziel von Fliegerangriffen. So wurden der Brunnenfund, weitere archäologische Funde und die Salbücher (Besitzverzeichnisse) im Tresor der 
Stadtkasse untergebracht. Dieser galt als besonders sicher, doch 
war der Platz begrenzt. Weitere wertvolle Sammlungsstücke kamen in den Wohnungen des Museumsleiters und des Bücherwarts, in den Räumen des Verkehrsvereins und im Bauamt unter. Eine Unterbringung im Schloss wurde geprüft, kam aber nicht in Frage, da die Kasematten zu feucht und das Schloss selber zu exponiert war. Im Gegenteil: auch für wertvolles Inventar aus dem Schloss suchte man andere Unterbringungsmöglichkeiten. Der größte Teil der Museumssammlung verblieb in den Museumsräumen, zum einen, da es an weiteren Unterbringungsmöglichkeiten fehlte und zum anderen da man den Museumsbetrieb für die Kurgäste aufrecht erhalten wollte. 
 

Information icon

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.