JÜDISCHES LEBEN IN BAD PYRMONT
Die jüdische Gemeinde in Bad Pyrmont
Seit dem Aufbau des Kurbetriebs und der Gründung der Stadt Pyrmont im 18. Jahrhundert lebten hier Menschen jüdischen Glaubens. Sie ließen sich als Händler und Kaufleute nieder, um während der Kursaison mit Kurgästen Handel zu treiben. Fürst Friedrich von Waldeck stellte ab 1780 vermehrt Schutzbriefe für jüdische Menschen aus, die ihnen erlaubten hier zu siedeln. In Bad Pyrmont gab es keine städtische Behörde oder gesellschaftliche Gruppe, die gegen die jüdische Zuwanderung vorgehen konnte. So entstand eine vergleichsweise große jüdische Gemeinde. Ab 1788 wurde ein jüdischer Friedhof an der Bomberg-Allee angelegt. Die 1817 gegründete jüdische Gemeinde richtete sich in einem alten Bauernhaus eine Synagoge und eine Schule ein. Jüdische Familien prägten das wirtschaftliche und soziale Leben der Kurstadt. Sie betrieben Fabriken, führten Pensionen und engagierten sich in Vereinen. Einige jüdische Kinder besuchten die christlichen Schulen. Daneben kamen auch viele jüdische Kurgäste nach Bad Pyrmont, um die heilenden Quellen zu benutzen. Seit den 1870er Jahren nahm die Zahl der Gemeindemitglieder ab. Die Jüngeren zogen meist in größere Städte, weil sie dort bessere Arbeitsplätze fanden. Anfang der 1930er Jahre gehörten noch 46 Mitglieder zur jüdischen Gemeinde in Bad Pyrmont. Das war im Vergleich zu anderen Orten im Landkreis immer noch eine hohe Zahl. Darüber hinaus gab es viele jüdische Menschen, die nicht Teil der Bad Pyrmonter Gemeinde waren oder in der Stadt arbeiteten.
Antisemitismus
Seit dem Aufbau des Kurbetriebs und der Gründung der Stadt Pyrmont im 18. Jahrhundert lebten hier Menschen jüdischen Glaubens. Sie ließen sich als Händler und Kaufleute nieder, um während der Kursaison mit Kurgästen Handel zu treiben. Fürst Friedrich von Waldeck stellte ab 1780 vermehrt Schutzbriefe für jüdische Menschen aus, die ihnen erlaubten hier zu siedeln. In Bad Pyrmont gab es keine städtische Behörde oder gesellschaftliche Gruppe, die gegen die jüdische Zuwanderung vorgehen konnte. So entstand eine vergleichsweise große jüdische Gemeinde. Ab 1788 wurde ein jüdischer Friedhof an der Bomberg-Allee angelegt. Die 1817 gegründete jüdische Gemeinde richtete sich in einem alten Bauernhaus eine Synagoge und eine Schule ein. Jüdische Familien prägten das wirtschaftliche und soziale Leben der Kurstadt. Sie betrieben Fabriken, führten Pensionen und engagierten sich in Vereinen. Einige jüdische Kinder besuchten die christlichen Schulen. Daneben kamen auch viele jüdische Kurgäste nach Bad Pyrmont, um die heilenden Quellen zu benutzen. Seit den 1870er Jahren nahm die Zahl der Gemeindemitglieder ab. Die Jüngeren zogen meist in größere Städte, weil sie dort bessere Arbeitsplätze fanden. Anfang der 1930er Jahre gehörten noch 46 Mitglieder zur jüdischen Gemeinde in Bad Pyrmont. Das war im Vergleich zu anderen Orten im Landkreis immer noch eine hohe Zahl. Darüber hinaus gab es viele jüdische Menschen, die nicht Teil der Bad Pyrmonter Gemeinde waren oder in der Stadt arbeiteten.
Arisierung
'Arisierung‘ bezeichnet die systematische Enteignung und Übertragung von jüdischem Besitz an ‚Arier‘. Als ‚Arier‘ galten vor allem nichtjüdische Deutsche, die als ‚rassisch überlegen‘ galten. Ziel war es, der jüdischen Bevölkerung jegliche Existenzgrundlage zu entziehen und sie systematisch aus dem gesellschaftlichen Leben zu verdrängen. Die Begriffe ‚Arisierung‘ und ‚Arier‘ wurden von den Nationalsozialisten verwendet und sind daher ideologisch geprägte Begriffe des NS-Regimes. Zwischen 1933 und 1945 wurden viele jüdische Betriebe, Geschäfte, Häuser oder Grundstücke zwangsweise an ‚Arier‘ übertragen und damit ‚arisiert‘. Die jüdischen Immobilien und Grundstücke mussten dabei oft unter ihrem tatsächlichen Wert verkauft werden oder wurden vom deutschen Reich eingezogen. Auf Verkaufserlöse konnten die Betroffenen nicht immer zugreifen, da sie oft auf Sperrkonten überwiesen wurden, auf die die Juden keinen Zugriff hatten. Auch Bargeld, Sparbücher oder Aktien mussten in Form unterschiedlicher Steuern abgegeben werden. Wanderten Juden aus oder wurden deportiert, wurde ihr Hausrat, wie Möbel, Geschirr und persönliche Gegenstände oft an ‚arische‘ Deutsche aus allen Bevölkerungsschichten versteigert.
„(…) und ich habe Hoffnung, dass die heutige Generation ein Verständniss hat über das was vor 60 Jahren geschehen ist, und es als eine Mahnung betrachtet.“
Die Bad Pyrmonter Jüdin Charlotte Markus nach ihrem Besuch in Pyrmont 1996
Boykott jüdischer Geschäfte 1933
Am Samstag dem 1. April 1933 begann im gesamten Deutschen Reich ein organisierter Boykott jüdischer Geschäfte, Arztpraxen, Kanzleien und anderer Einrichtungen. Es war eine der ersten öffentlich sichtbaren Maßnahmen des NS-Regimes gegen die jüdische Bevölkerung. Ziel war es, die Juden wirtschaftlich und gesellschaftlich zu isolieren. Damit einher gingen vielerorts auch Demonstrationen und Ausschreitungen gegen jüdische Menschen. Auch in Bad Pyrmont wurden an diesem Tag jüdische Geschäfte mit schwarzen Plakaten mit einem gelben Punkt in der Mitte gekennzeichnet und zum Boykott aufgerufen. Zudem wurden SA-Mitglieder vor den Läden postiert, um mögliche Kunden abzuschrecken. Zu gewaltvollen Ausschreitungen oder Demonstrationen gegen jüdische Mitmenschen in Bad Pyrmont ist es in diesem Kontext aber wahrscheinlich nicht gekommen. Der Boykott wurde bereits am Samstagabend im ganzen Reich ausgesetzt und drei Tage später für beendet erklärt. Einerseits gab es internationale Proteste, andererseits mangelte es an Rückhalt aus der deutschen Bevölkerung. Statt öffentlicher Aktionen setzte das NS-Regime nun verstärkt auf gesetzliche Regelungen, um die jüdische Bevölkerung schrittweise aus dem Berufs- und Gesellschaftsleben zu drängen.

Kennzeichnung arischer Geschäfte
Im Juli 1935 kam es zu erneuten Boykottaktionen gegen jüdische Geschäfte in einer anderen Form, dem umgekehrten Boykott. Anders als 1933 sollten jetzt ‚arische Geschäfte‘ gekennzeichnet werden. Die Läden sollten ein Schild mit der Aufschrift „Deutscher Kaufmann“ aushängen. Damit wollte man zeigen, dass sie „frei von jüdischem Kapital, jüdischen Einflüssen oder sonstigen jüdischen Verbindungen“ seien. Geschäfte, die die Schilder nicht aufhingen, galten als ‚nicht arisch‘ und es wurde dazu aufgerufen, sie zu meiden. Diese Maßnahme war Teil der fortschreitenden wirtschaftlichen Ausgrenzung jüdischer Menschen aus Handel und Gesellschaft. Gleichzeitig diente sie der Kontrolle und Einschüchterung aller, die sich nicht offen zu den Zielen des Regimes bekannten.
Die Zigarrenfabrik Zetzsche
Die Zigarrenfabrik von Oskar Zetzsche in Holzhausen ist ein Beispiel der ‚Arisierung‘, die über die Bad Pyrmonter Ortsgrenzen hinaus Wirkung zeigte. Im Oktober 1938 kaufte er die als ‚nicht arisch‘ deklarierte Zigarrenfabrik Haus Neuburger in Sandhausen bei Heidelberg. Neben ihm hatte es noch einen weiteren Interessenten gegeben, der sich aber im September 1938 aus den Verhandlungen zurückzog. Die formelle Übertragung des Betriebs an Oskar Zetsche erfolgte wenig später. Im Laufe des Jahres wurde der Kaufvertrag mehrfach angepasst. Unter anderem wurde der Kaufpreis von 6.000 RM auf 2.500 RM heruntergesetzt. Zudem wurde festgelegt, dass nur ‚arische‘ Beschäftigte weiterarbeiten durften. Die Firma Neuburger sollte liquidiert und das gesamte Inventar an Zetzsche übertragen werden. Die Firma wurde damit nicht nur enteignet, sondern vollständig ausgelöscht. Nach dem Krieg war Oskar Zetzsche mit dem Vorwurf der ‚Arisierung‘ konfrontiert. Er argumentierte, dass er die Firma nicht arisiert oder übernommen, sondern nur das Inventar der Firma gekauft habe. Außerdem sei der jüdische Vorbesitzer freiwillig an ihn herangetreten. Diese Argumentation wurde in der Nachkriegszeit häufig genutzt, um den eigenen Anteil an den ‚Arisierungsprozessen‘ zu verschleiern. Verkäufe fanden nie auf Augenhöhe und meist zu den Gunsten des Käufers statt und Verkaufswerte wurden bewusst unter ihrem Wert gehalten.
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Bäderantisemitismus
Feindseligkeit, Ausgrenzung oder Diskriminierung gegenüber Menschen jüdischen Glaubens zeigte sich seit den 1870er Jahren auch in deutschen Kurorten. Man wollte sich so von anderen Kurorten abgrenzen und ein bestimmtes Klientel ansprechen. Um jüdische Reisende zu warnen, veröffentlichten jüdische Zeitungen zu Beginn jeder Saison Listen mit Orten, Hotels und Pensionen, die sich antisemitisch verhielten. Auch in Bad Pyrmont wurden jüdische Gäste nicht überall willkommen geheißen. Richters Pension in der Brunnenstraße wurde beispielsweise schon 1899 als „rein christlich“ gekennzeichnet. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde es für jüdische Kurgäste zusehends schwerer geeignete Unterkünfte zu finden. Schon kurz nach der ‚Machtübernahme‘ wurden für Bad Pyrmont 16 Pensionen und Ärzte in der Kurzeitung als antisemitisch kenntlich gemacht. Dennoch wurden jüdische Kurgäste teilweise noch geduldet und nationalsozialistische Maßnahmen nicht in vollem Umfang umgesetzt. Vor allem, damit internationale Gäste weiterhin in den Ort kamen. So erklärte Bürgermeister Hans Zuchhold im Juli 1935: „Er als alter Nationalsozialist habe kein Interesse daran, wenn hier in Bad Pyrmont die Juden Aufenthalt nehmen. Leider müsse hier in Bad Pyrmont noch darauf Rücksicht genommen werden, dass sehr viele Holländer hier seien, die noch immer judenfreundlich gesinnt seien.“ Trotz oder gerade wegen der internationalen Gäste, war eine Kur in Bad Pyrmont für jüdische Gäste noch einige Zeit möglich.
Verschärfung für Aufenthalte in Bad Pyrmont
Bereits im Sommer 1935 wurde in vielen deutschen Städten das Baden in öffentlichen Schwimmbädern für jüdische Menschen verboten. In Bad Pyrmont wurde dazu am 23. Juli eine Bekanntmachung in der Lokalzeitung veröffentlicht, die den Zugang zum Freibad beschränkte. Das war eine der ersten offensichtlichen Einschränkungen für jüdische Kurgäste. Ab 1937 wurde ein Kuraufenthalt zunehmend erschwert. Ein Erlass des preußischen Innenministeriums 1937 sah die Trennung von jüdischen und ‚arischen‘ Kurgästen in deutschen Erholungsorten vor. In Bad Pyrmont folgte am 9. Juli 1938 eine entsprechende Anordnung des Bürgermeisters und des Kurdirektors in der Kur- und Fremdenzeitung. Sie bestimmte, dass jüdische Kurgäste nur noch in ausdrücklich jüdischen Pensionen oder Häusern unterkommen durften. Deutschen Pensionen war es untersagt, jüdische Gäste aufzunehmen. Zudem wurden jüdische Kurgäste von sämtlichen gesellschaftlichen Veranstaltungen ausgeschlossen und durften die meisten Kuranlagen nicht mehr betreten. Die Verbote betrafen sowohl jüdische Gäste als auch die ortsansässige jüdische Bevölkerung. Trotz der Beschränkungen veröffentlichten einige jüdische Kurpensionen Bad Pyrmonts weiter Anzeigen in jüdischen Zeitungen. Nach der Reichspogromnacht 1938 und einem weiteren einschränkenden Erlass 1939 wurde ein Kuraufenthalt für jüdische Menschen nahezu unmöglich. Es ist davon auszugehen, dass der Kurbetrieb für jüdische Gäste in Bad Pyrmont spätestens zu diesem Zeitpunkt zum Erliegen kam.
„Leider muss in Bad Pyrmont auf holländische Gäste Rücksicht genommen werden, die judenfreundlich seien.“
Bürgermeister Hans Zuchhold, 1935
Reichspogromnacht 9./10. November 1938
In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 kam es im gesamten Deutschen Reich zu gewaltsamen Angriffen gegen die jüdische Bevölkerung. Auslöser war das Attentat auf einen deutschen Diplomaten durch einen Juden. Die nationalsozialistische Führung nutzte die Einzeltat als Vorwand, um die Gewalt gegen die jüdische Bevölkerung eskalieren zu lassen. SS- und SA-Mitglieder sowie Teile der Bevölkerung zerstörten Synagogen, jüdische Geschäfte und Wohnungen. Viele jüdische Männer wurden gewaltsam in Konzentrationslager deportiert. Die Reichspogromnacht markierte einen Wendepunkt: Antisemitische Diskriminierung und Verfolgung eskalierte zu offenen Gewalttaten und Existenzbedrohungen, mit dem Ziel die jüdische Bevölkerung aus dem deutschen Reich zu vertreiben. In Bad Pyrmont schlugen in der Reichspogromnacht SA-Männer mehrere Schaufensterscheiben jüdischer Geschäfte ein, brachen in Lager und Praxen ein und stahlen Gegenstände und Papiere. Auch die jüdischen Friedhöfe wurden geschändet. Die Synagoge blieb verschont, da sie kurz zuvor verkauft worden war. Auch hier vor Ort wurden jüdische Mitmenschen verhaftet. Die meisten Männer wurden über Hameln in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert. Die Frauen wurden am Morgen wieder entlassen. Erst Ende November bis Anfang Dezember 1938 wurden die Männer wieder nach Hause entlassen. Zwei von ihnen, Sally Abraham und Adolf Salomon, starben jedoch in Buchenwald. Die Ereignisse der Pogromnacht veranlassten viele jüdische Familien die Stadt und das Deutsche Reich so schnell wie möglich zu verlassen.
Die Synagoge
Im Jahr 1817 kaufte die jüdische Gemeinde aus Bad Pyrmont ein Nebengebäude des Bauernhofes von Heinrich Schaper in der heutigen Bathildisstraße 27. Sie bauten das Haus zu einer Synagoge mit Lehrerwohnung und Schulraum um. Anfang der 1930er Jahre hatte die jüdische Gemeinde nur noch 46 Mitglieder. Gottesdienste fanden lediglich an Feiertagen in der Synagoge statt. Bis Sommer 1938 war die Gemeinde vor allem wegen Auswanderungen jüdischer Familien auf wenige Mitglieder geschrumpft. Deshalb beschlossen die Verbliebenen die Synagoge bei einer öffentlichen Auktion an den Meistbietenden zu verkaufen. Die Gemeinde wollte allerdings verhindern, dass ein Mitglied der NSDAP die Synagoge kaufte. Deshalb bat der Vorsteher der Gemeinde, Max De Haas, kurz vor Ende der Abgabefirst der Gebote, den Tischlermeister Wilhelm Sauermann ein Angebot abzugeben. Sauermann hatte die jüdische Gemeinde in der Vergangenheit unterstützt, indem er für verstorbene Juden spezielle Särge anfertigte. Sauermann gab das höchste Gebot ab und übernahm die Synagoge. Er baute sie zu einer Tischlerwerkstatt mit Schauraum um. Wenige Monate später, während der Pogromnacht im November 1938, wurde eine Zerstörung der ehemaligen Synagoge gerade noch verhindert. Der Architekt Heinrich Mogk informierte die anrückende SA-Männer darüber, dass das Gebäude vor kurzem an einen nichtjüdischen Bürger verkauft worden war.
Der Jüdische Friedhof
Seit 1788 verfügte die jüdische Gemeinde in Bad Pyrmont über einen eigenen Friedhof an der Bombergallee. Im August 1934 forderte Bürgermeister Hans Zuchhold die Gemeinde auf, das Grundstück aufzugeben. In einem Tauschvertrag bot er der Gemeinde für das rund 1.250 m² große Gelände ein 400 m² großes Ersatzgrundstück ‚Am Helsen‘ außerhalb der Stadt ohne weitere finanzielle Entschädigung an. Die jüdische Gemeinde stimmte widerwillig dem Vertrag zu. Der Vertrag enthielt eine Erlaubnis zur Grabpflege des alten Friedhofes bis zum Jahr 1974. Außerdem durfte die zweite Grabstelle eines Doppelgrabes unter bestimmten Auflagen weiterhin genutzt werden. Auf dem neuen Friedhof wurden zwischen 1936 und 1938 vier Menschen beerdigt. In der Reichspogromnacht im November 1938 wurden beide Friedhöfe geschändet. SA-Männer zerstörten Grabsteine, warfen sie um oder zerschlugen sie. Rund 120 zerschlagene Grabsteine wurden zu Schotter verarbeitet und in der Stadt für den Straßenbau verwendet. Wenige Tage später wurde der jüdische Friedhof am Bomberg entgegen des Vertrags von 1934 eingeebnet. Die verbliebenen Grabsteine wurden im Zuge dessen im Boden versenkt und mit Erde bedeckt. Auch der neue jüdische Friedhof ‚Am Helsen‘ wurde 1938 enteignet und dessen Grabsteine entfernt.
Judenverfolgung ab dem Zweiten Weltkrieg
Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs lebten noch zehn Mitglieder der jüdischen Gemeinde und fünf Personen in sogenannten ‚Mischehen‘ in Bad Pyrmont. Ab Herbst 1939 begann die Gestapo Juden in sogenannten ‚Judenhäusern‘ unterzubringen. In Bad Pyrmont wurden am 7. November mehrere Personen in die frühere Villa Lichtenstein gebracht. Sie gehörte der Jüdin Laura Lichtenstein. Auch Juden aus Lügde und Steinheim wurden dort einquartiert. Weitere Erlasse erschwerten das Leben der jüdischen Menschen. Es galten Sperrstunden, ab Dezember 1939 wurden ihnen Lebensmittelrationen gekürzt. Später durften sie nur noch zu bestimmten Zeiten einkaufen oder ihre Häuser verlassen. Zudem wurden ihnen Kleiderkarten, Rundfunk und Telekomunikation entzogen. Ab September 1941 mussten sie einen Judenstern tragen und durften ihren Wohnbezirk nicht mehr verlassen. Die Quäkerin Mary Friedrich und ihre Tochter unterstützen die verbliebene jüdische Bevölkerung. Sie kauften ein, sprachen mit ihnen und halfen beim Packen der Habseligkeiten vor der Deportation. Nach und nach wurden die Juden über andere Sammelstellen wie das jüdische Krankenhaus in Hannover in verschiedene Konzentrationslager deportiert. Die deportierten Juden wurden dort größtenteils ermordet oder gelten als verschollen. Am 13. Januar 1945 verfügte das Reichssicherungshauptamt, dass alle Menschen in ‚Mischehen‘ zur Zwangsarbeit deportiert werden sollten. Drei von vier in Bad Pyrmont lebenden Personen wurden nach Theresienstadt gebracht. Sie überlebten und kehrten nach Kriegsende zurück. Cäcilia Seutemann entging der Deportation und versteckte sich bis Kriegsende bei einem Pfarrer.
Stille Unterstützung
Einen organisierten oder offenen Wiederstand gegen die nationalsozialistische Verfolgung der jüdischen Bevölkerung gab es in Bad Pyrmont nicht. Dennoch gab es einige Menschen, die mit kleinen Handlungen die jüdische Bevölkerung unterstützen. Diese Hilfe passierte still und ohne öffentliches Aufsehen. Allen voran war die Quäkergemeinde aktiv. Insbesondere das Ehepaar Leonhard und Mary Friedrich unterstütze Juden auf unterschiedlichen Wegen. Sie kauften ein, halfen bei der Ausreise oder beim Zusammenpacken von Habseligkeiten vor der Deportation. Häufig war aber auch ein einfaches Gespräch eine nicht selbstverständliche Geste inmitten unvorstellbarer Diskriminierung und Gefahr. Aber auch aus anderen Bevölkerungsteilen gab es immer wieder Unterstützung für die jüdische Bevölkerung. Einige kauften weiterhin in den jüdischen Geschäften ein oder fertigten spezielle Särge für Juden an. Andere luden jüdische Mitmenschen zu gesellschaftlichen Treffen wie Leserunden oder Radtouren ein – ungeachtet der gesellschaftlichen Ausgrenzung. Nach der Pogromnacht half man bei der Suche nach vermissten Familienmitgliedern oder bei der Flucht vor der Deportation. Diese Formen von Zivilcourage in Bad Pyrmont zeigen beispielhaft auf, wie einfache Gesten und das Handeln einiger mit der sozialen Ausgrenzung brachen. Die Verfolgung durch das NS-Regimes konnten sie jedoch nicht aufhalten.









