Kirche

CHRISTLICHE KIRCHE IN BAD PYRMONT

Stadtkirche | Foto: Museum im Schloss

Christliche Kirche im Nationalsozialismus

Nach der Machtübernahme strebte das NS-Regime die Gleichschaltung der christlichen Kirchen an. Der christliche Glaube sollte dabei der nationalsozialistischen Ideologie untergeordnet werden, um den gesellschaftlichen Einfluss der Kirchen zu minimieren und möglichem Widerstand der Kirchen gegen das NS-Regime entgegenzuwirken.

In der evangelischen Kirche führte dieser Versuch zum ‚Kirchenkampf‘, einem Konflikt innerhalb der evangelischen Kirche um deren Ausrichtung: Ein Teil der Protestanten schloss sich den schon 1932 gegründeten sogenannten ‚Deutschen Christen‘ an. Diese waren nationalsozialistisch geprägt und wollten die kirchliche Lehre und ihre Organisationen anpassen. Sie setzten sich bei der reichsweiten Kirchenwahl 1933 weitgehend durch und stellten in der neugeschaffenen Reichskirche fast alle Bischöfe. Dagegen formierte sich ab 1934 die ‚Bekennende Kirche‘, die an der Bibel festhielt und die Gleichschaltung der Kirche mit dem Nationalsozialismus ablehnte.

Die katholische Kirche war vor 1933 oftmals als 
Kritikerin des Nationalsozialismus aufgetreten. Nachdem sich Adolf Hitler aber mehrfach kirchenfreundlich äußerte, relativierte sie ihre bisherige Kritik. Zur Sicherung ihrer institutionellen Sonderrechte unterzeichnete der Vatikan im April 1933 das ‚Reichskonkordat‘, ein Vertrag in dem das Verhältnis zwischen Kirche und Staat geregelt wurde. Schnell musste sie aber feststellen, dass das NS-Regime fortwährend das Konkordat brach oder schlichtweg ignorierte.

(Evangelische) Kirche in Bad Pyrmont

Mitte der 1920er Jahre waren fast 90 Prozent der Bad Pyrmonter evangelisch. Die restlichen Christen setzten sich aus einer kleinen katholischen Gemeinde, einer Freikirche und den Quäkern zusammen.

Die evangelische Kirche unterteilte sich in zwei Gemeinden: die Gemeinde der Stadtkirche und das Oesdorfer Kirchspiel, in dem die fünf Gemeinden der Dörfer Oesdorf, Holzhausen, Hagen, Thal und Löwensen organisiert waren. In der Stadtkirche gab es eine Pfarrstelle, das Kirchspiel hatte eine Pfarrstelle in der St. Petrikirche und eine Pfarrstelle in Holzhausen. Die Bad Pyrmonter Gemeinden gehörten seit dem 17. Jahrhundert zur Landeskirche Waldeck-Pyrmont. Nachdem Bad Pyrmont 1922 an Preußen angegliedert wurde, folgte 1934 die Angliederung des Kirchenkreises Pyrmont an den Kirchenkreis Groß Berkel der Landeskirche Hannover. 1938 wurde der Kirchenkreis Groß Berkel in den Kirchenkreis Hameln-Pyrmont umorganisiert.

Insgesamt verhielt sich die christliche Kirche in Bad Pyrmont in der Zeit des Nationalsozialismus unauffällig. Bis auf wenige Ausnahmen beugten sich die Gemeinden der nationalsozialistischen Gleichschaltung. Auch lässt sich keine der beiden evangelischen Gemeinden eindeutig zu den Deutschen Christen oder der Bekennenden Kirche zuordnen. 

 

Deister- und Weserzeitung, 28. März 1939
www.dewezet.de

Der Streit um die Kirchenuhr

Bürgermeister Hans Zuchhold begann 1933 Verträge der Stadt zu kündigen, um Kosten einzusparen. Dazu zählte auch der Wartungsvertrag für die Kirchenturmuhr der Stadtkirche. In der Vergangenheit hatte die Stadt eine zentrale öffentliche Uhr im Kirchturm gefordert. Daher übernahm die Stadt auch die Wartungskosten. Gegen die Einstellung der Zahlung protestierte Pfarrer Wilhelm Schultz der Stadtkirche. Die Kirchenuhr sei für die Öffentlichkeit eine wichtige Einrichtung und daher auch von der Stadt zu bezahlen. Zuchhold lehnte die Übernahme der Kosten aber weiterhin ab. Er wolle beide Gemeinden in Bad Pyrmont gleich behandeln und die Wartung der Kirchenuhr von der St. Petri-Kirche in Oesdorf wurde in der Vergangenheit auch nicht von der Stadt bezahlt. Außerdem sei die Stadtkirchenuhr in einem schlechten Zustand und könne nicht als zentrale öffentliche Uhr betrachtet werden. Daraufhin wurde die Kirchenuhr 1935 auf Kosten der Kirche restauriert.

1936 kam ein neuer Konflikt um die Turmuhr auf. Die Bad Pyrmont AG merkte an, dass die Kurgäste durch das viertelstündliche Schlagen der Uhr vor allem nachts gestört wurden. Sie schlugen eine Nachtruhe von 20 bis 7 Uhr vor. Dies wurde sowohl vom Bürgermeister als auch von einigen Pensionen abgelehnt. Das Schlagen der Uhr sei Tradition und würde bei Ausbleiben für Missmut unter der Bevölkerung sorgen. Der Streit um das Schlagen der Turmuhr kam in den darauffolgenden Jahren immer wieder auf. 1939 fragte man in der Zeitung, wie die Bad Pyrmonter Bevölkerung dazu stand. Eine Antwort wurde allerdings nicht abgedruckt.

St. Petri Kirche Oesdorf | Foto: Museum im Schloss
Dürrfelds Versetzung in den Ruhestand, Pyrmonter Zeitung, 8.5.1934
Dürrfelds Antwort, Pyrmonter Zeitung 9.5.1934

Pfarrer Christoph Dürrfeld

Pfarrer Christoph Dürrfeld war eine widersprüchliche Person zwischen nationaler Begeisterung, kirchlicher Pflichterfüllung und persönlicher Eigenwilligkeit. Er hatte von 1920 bis 1928 die zweite Pfarrstelle der Oesdorfer Gemeinde in Holzhausen inne. Ab 1928 übernahm er die Stelle in der St. Petri-Gemeinde in Oesdorf. Früh zeigte er stark patriotische Überzeugungen und trat 1931 der NSDAP und SA bei. Dürrfeld war ein begabter Redner und bei seiner Gemeinde sehr beliebt. Auch für verschiedene Veranstaltungen der SS und SA hielt er mehrfach Reden, die in der Zeitung hoch gelobt wurden.

Seine Autorität und Beliebtheit bei der Gemeinde sowie seine starke Eigensinnigkeit machten ihn für die Führungsebenen der Kirche und der Stadt schwer kontrollierbar. Bei der Angliederung des Kirchenkreises Bad Pyrmont an die Landeskirche Hannover 1934 wurde er unter anderem deshalb nicht übernommen. Er wurde daraufhin erst für drei Monate beurlaubt und dann gegen seinen Willen in den vorzeitigen Ruhestand versetzt. Dagegen protestierte er und gewann letztendlich seine Stelle in Oesdorf zurück. Aber auch mit Bürgermeister Zuchhold geriet er immer wieder in Streitereien, weshalb er mehrfach in Schutzhaft genommen wurde. Die NSDAP betrachtete diese Konflikte als parteischädigendes Verhalten und schloss ihn 1934 aus. Gleichzeitig wurden 1934 drei andere Männer wegen „unkameradschaftlichem Verhalten gegen Kameraden Dürrfeld“ aus der NSDAP ausgeschlossen. Trotz seiner umstrittenen Person und Ausrichtung blieb er in der Gemeinde beliebt. Er starb am 
31. Dezember 1945 in Bad Pyrmont. Der Charakter Dürrfeld verdeutlicht, dass Personen und ihr Handeln während des NS nicht immer eindeutig zuzuordnen sind und sich das Ausreizen der eigenen Handlungsspielräume auch gegensätzlich äußern konnte.


„Es gibt sehr viel Kranke, die nachts von jedem 
Glockenschlag aufwachen.“
aus einem Schreiben des Verkehrsverein an den Bürgermeister, 17. Juli 1935

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