DER ORTSTEIL HOLZHAUSEN
Die Eingemeindung Holzhausens
Die Umstände der Eingemeindung werden in den Chroniken von Bad Pyrmont und Holzhausen beschrieben. Sie sind ein wichtiger Ausgangspunkt für eine Beschäftigung mit dem Thema. In den Chroniken fehlen jedoch Quellenangaben und vor allem ein differenzierter Umgang mit den Quellen. Hier sind weitere Forschungen notwendig, die im Rahmen des Forschungsprojektes der Universität Hannover und des Museums nicht erfolgen konnten.
Die Ereignisse lassen sich jedoch wie folgt zusammenfassen: Bad Pyrmonts Bürgermeister Zuchhold beabsichtigte bereits seit 1933 die Eingemeindung Holzhausens. Die Verhandlungen zwischen den lokalen Gremien führten jedoch zu keinem Ergebnis. Vermutlich ließ Zuchhold nun seine Kontakte nach Hannover spielen: Mit Hilfe der Parteidienststellen und unter maßgeblicher Beteiligung des Finanzministeriums, wurde nach einer Entscheidung des Oberpräsidenten Viktor Lutze die Gemeinde eingegliedert. Mit Wirkung vom 1. April 1938 war Holzhausen nun Teil der Stadt Bad Pyrmont. Damit verpflichtete sich die Stadt auch zur Investition in die Holzhäuser Infrastruktur.
„Die Eingemeindung der ‚roten Holzhäuser‘
war für den Nationalsozialisten Bürgermeister Zuchhold ein notwendiges Ziel, und dafür war ihm jedes Mittel recht.“
Heinrich Rostmann in „Geschichte und Chronik des Dorfes Holzhausen“, 2002
Die Eingemeindung Holzhausens im kollektiven Gedächtnis
Der Eingemeindung Holzhausens und Zuchholds Beteiligung dabei kommt bis heute eine besondere Rolle im kollektiven Gedächtnis Bad Pyrmonts zu.
So deutet beispielsweise die 2002 erschienene Chronik des Dorfes Holzhausen Zuchholds Motive weniger als wirtschaftlich, sondern vor allem als politisch: Holzhausen, mit starker sozialdemokratischer Prägung, sollte ‚gleichgeschaltet‘ und entpolitisiert werden. Die Eingemeindung Holzhausens wurde genutzt, um ein gesamtes Dorf als eine Art ‚Widerstandsnest‘ zu inszenieren. Durch die angebliche Opposition dagegen, habe man der ‚Parteilinie‘ widersprochen. Die Eingemeindung selbst wird in der Erzählung zu einer nationalsozialistischen Unrechtsmaßnahme – in erster Linie vertreten von Hans Zuchhold.
Die Holzhäuser konnten so die Schuld an NS-Verbrechen und am Funktionieren des ‚Dritten Reiches‘ zurückweisen, schließlich war man selbst Opfer des Nationalsozialismus.
Bezeichnend dafür ist auch, dass in der Chronik immer wieder nur von Verfolgten in der Dorfgemeinschaft, wie zum Beispiel von Sozialdemokraten oder Quäkern, die Rede ist. Täterschaft, mit der Ausnahme Zuchhold, wird wiederum an keiner Stelle erwähnt. Selbst in Passagen, die Zwangsarbeiter beschreibt, geht die Chronik nicht über die Feststellung, in welchem Betrieb diese eingesetzt wurden, hinaus. Vielmehr beschreibt sie, wie es trotz offiziellen Verboten zu Kontakten und Momenten der Nähe zwischen den Zwangsarbeitern und den Holzhäusern kam.
Die Holzhäuser Chronik ist hier kein Einzelfall bei der Betrachtung historischer Ereignisse aus lokaler Perspektive. Ein kritisches Hinterfragen der Ausführungen ist insofern unerlässlich.


