Cäcilia Seutemann

Cäcilia Seutemann

Die Geschichte von Cäcilia Seutemann verdeutlicht die kleinen Handlungsräume, die jüdische Menschen nutzten und dass es Menschen gab, die ihnen halfen. Im Januar 1945 verfügte das Reichssicherungshauptamt, dass alle jüdischen Menschen in ‚Mischehen‘ zum Arbeitseinsatz nach Theresienstadt deportiert werden sollten. In Bad Pyrmont lebten zu diesem Zeitpunkt vier jüdische Menschen in einer sogenannten ‚Mischehe‘. Darunter war auch Cäcilia (genannt Cilly) Seutemann. Sie war Tochter jüdischer Eltern und hatte nach dem Ersten Weltkrieg den Künstler Hans Seutemann geheiratet. Ihre Tochter Ingrid hatte sie 1939 nach England ins Internat in Oxford geschickt. Während des Krieges fragte die Gestapo beim Ehemann Hans Seutemann nach Cillys Aufenthaltsort. Sie war in diesem Moment nicht zu Hause. Da die Männer Cilly nicht auffinden konnten, verließen sie das Haus wieder. Danach passierte erst einmal nichts.

Als der Arbeitsdienst für die jüdische Bevölkerung in ‚Mischehen‘ beschlossen wurde, musste sich Cilly Seutemann verstecken. Dabei halfen das befreundete Ehepaar H. aus Bad Pyrmont und der Lehrer Erich W. aus Eichenborn. W. war für die Unterbringung und Betreuung von ‚Ausgebombten‘ und Flüchtlingen zuständig. Er schlug vor, Cilly als Evakuierte auszugeben und sie auf diesem Weg in Sicherheit zu bringen. Am 16. Februar 1945 ging Cilly Seutemann zum Ehepaar H., die gerade letzte Einkäufe für die Aktion besorgten. Cilly wurde deswegen von Tochter Anette empfangen. Sie warteten auf die Eltern, als Anette zufällig aus dem Fenster schaute und zwei Polizisten sah, die auf das Haus zukamen. Cilly versteckte sich daraufhin hinter einem großen Ohrensessel. Die Polizisten suchten allerdings nicht nach ihr, sondern waren wegen einer anderen Angelegenheit gekommen. In der Nacht brachten Frau H. und eine weitere Frau Cilly Seutemann zu Fuß zum Lehrer W. nach Eichenborn. Er versorgte Cilly Seutemann mit gefälschten Papieren und einem neuen Namen und schickte sie zum Pastor C. nach Neersen. Der Pastor nahm sie als Bombenflüchtling der Stadt Kiel auf. Um nicht aufzufallen verließ Cilly ihr Zimmer nur selten und sprach nicht viel.

Ihr Ehemann Hans Seutemann war nicht eingeweiht: Cilly hatte ihm über einen hinterlassenen Zettel mitgeteilt, dass sie gegangen sei, weil sie zum Transport nach Theresienstadt abgeholt worden wäre. Er wurde einige Zeit später zur Polizei beordert, wo er erfuhr, dass sie sich am 19. Februar 1945 am Bahnhof zum Transport nach Theresienstadt einzufinden hatte. Ihr Mann konnte ehrlicherweise angeben, dass er nicht wusste wo sich Cilly Seutemann aufhielt. Nach Kriegsende konnte Cilly Seutemann ihr Versteck beim Pastor verlassen und zu ihrem Ehemann nach Bad Pyrmont zurückkehren. 

 

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